Von der Bauhaus-Leuchte zur Goldgasse: Stadtmuseum am Markt widmet Design-Legende Christian Dell große Sonderausstellung

Er hat mit seinen Entwürfen die deutsche Designgeschichte revolutioniert und Ikonen geschaffen, die bis heute weltweit in Büros und Wohnzimmern stehen. Doch dass die zweite Lebenshälfte des berühmten Bauhaus-Werkmeisters Christian Dell eng mit der hessischen Landeshauptstadt verknüpft war, wussten bislang die wenigsten. Das Stadtmuseum Wiesbaden ändert das nun grundlegend. Am Dienstag, 16. Juni, öffnet die hochkarätige Sonderausstellung „Christian Dell – Von der Silberkanne zur Goldgasse“. Bis zum Spätherbst zeigt das Museum im Herzen der Stadt die faszinierende Bandbreite eines Mannes, der den Sprung vom edlen kunsthandwerklichen Einzelstück zum wegweisenden industriellen Serienprodukt perfekt meisterte.

Von: |Erschienen am: 11. Juni 2026 18:23|

Fotos: Patrick Baeuml Wiesbaden

Die Schau reiht sich als offizielles Großprojekt in ein bedeutendes regionales Kulturereignis ein: Sie findet im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC 2026) statt und ist bis zum 15. November 2026 im Wiesbadener Stadtmuseum am Markt (sam) zu sehen. Christian Dell (1893–1974) gilt als einer der prägendsten Gestalter des 20. Jahrhunderts. Nach einer Silberschmiede-Ausbildung in Hanau wirkte er als Werkmeister am Staatlichen Bauhaus in Weimar und leitete später die Metallklasse an der renommierten Kunstschule Frankfurt am Main, wo er die Strömung „Das Neue Frankfurt“ maßgeblich mitprägte. Seine Entwürfe vereinen bis heute handwerkliche Präzision mit funktionaler Klarheit.

Weltberühmte Schreibtischlampen und rare Leihgaben aus Berlin und Dessau

Besonders berühmt wurde Dell durch seine zeitlosen Leuchtenentwürfe der weltbekannten Serie „Kaiser Idell“. Doch die Ausstellung blickt weit über den Tellerrand der Kult-Lampe hinaus. „Christian Dell war weit mehr als der Entwerfer der ‚Kaiser Idell‘-Leuchte. Als Silberschmied, Lehrer und Entwerfer für neue Materialien prägte er die Moderne. Die Ausstellung macht die volle Bandbreite seines Schaffens sichtbar“, erklärt Dr. Vera Klewitz, Kuratorin der Ausstellung.

Zu sehen sind neben den edlen frühen Silberarbeiten auch hochinnovative, frühe Kunststoffentwürfe, seltene Keramiken und eine Vielzahl historischer Leuchten. Neben Stücken aus der eigenen Stadthistorischen Sammlung der Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden ist es dem Haus gelungen, hochkarätige nationale und internationale Leihgaben nach Wiesbaden zu holen – darunter Schätze aus dem Bauhaus-Archiv und der Bröhan Design Foundation in Berlin, der Stiftung Bauhaus Dessau sowie aus exklusiven Privatsammlungen.

Das Geheimnis der Goldgasse – Dells Wiesbadener Kapitel

Ein besonderer Coup der Ausstellung ist die Aufarbeitung von Dells bislang weitgehend unbekannter Beziehung zur Stadt Wiesbaden. Nach Stationen unter anderem in Weimar, Frankfurt, Bayern und dem Harz kehrte er im Jahr 1940 dauerhaft in die Landeshauptstadt zurück. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wagte er hier einen kreativen Neuanfang und betrieb mitten in der Wiesbadener Altstadt in der Goldgasse das feine Ladengeschäft „Geräte / Kunst / Schmuck“.

Damit verknüpft das Stadtmuseum internationale Designgeschichte geschickt mit einem spannenden, lokalen Kapitel der Stadtgeschichte. Museums-Direktorin Sabine Philipp betont die gesellschaftliche Aktualität des Künstlers: „Christian Dell hat Gestaltung nie als Selbstzweck verstanden. Seine Arbeiten zeigen, wie gutes Design den Alltag verbessern und für viele Menschen zugänglich werden kann – ein Gedanke, der bis heute aktuell ist und sich auch im Leitmotiv der WDC 2026 ‚Design for Democracy. Atmospheres for a better life‘ widerspiegelt. Als Stadtmuseum widmen wir uns dieser herausragenden Persönlichkeit, deren Lebensleistung bis heute weit über die Stadt hinausstrahlt.“

Öffnungszeiten, Eintrittspreise und Begleitbücher im Überblick

Die Sonderausstellung wird von einem dichten Begleitprogramm flankiert. In den kommenden Monaten können Besucher sich auf thematische Führungen, wissenschaftliche Vorträge, interaktive Workshops und spannende Gesprächsformate freuen, die Dells Werk für Design- und Handwerksbegeisterte nahbar machen. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, kann im Museumsshop auf zwei Publikationen zurückreifen: Eine reich bebilderte Begleitbroschüre (112 Seiten) ist für 14,80 Euro erhältlich. Das umfassende Standardwerk „arnoldsche ART PUBLISHERS, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, Sabine Philipp (Hg.), Christian Dell“ (280 Seiten) gibt es für 48,00 Euro (ISBN 978-3-89790-758-4).

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InfoBox

Der Museums-Check kompakt auf einen Blick:

  • Was: Sonderausstellung „Christian Dell – Von der Silberkanne zur Goldgasse“ (Projekt der WDC 2026).

  • Wann: Ab Dienstag, 16. Juni, bis Sonntag, 15. November 2026.

  • Wo: Stadtmuseum am Markt (sam), Marktplatz 3, 65183 Wiesbaden-Mitte.

  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis 17:00 Uhr | Donnerstag mit verlängerter Öffnung von 11:00 bis 20:00 Uhr.

  • Preise: Eintritt in die Dauerausstellung ist komplett frei. Die Sonderausstellung kostet 6,00 Euro (ermäßigt 4,00 Euro).