Unfallstatistik 2025
Mehr Verletzte, Boom bei Rad-Unfällen und die fünf gefährlichsten Kreuzungen in Wiesbaden
Es sind Zahlen, die jeden Autofahrer, Radler und Fußgänger in der hessischen Landeshauptstadt aufhorchen lassen. Der tägliche Kampf um den spärlichen Platz auf Wiesbadens Straßen wird immer rücksichtsloser. Die frisch vorgelegte Verkehrsunfallstatistik 2025 der Polizeidirektion Wiesbaden offenbart, dass die Gesamtzahl der Crashs auf einen neuen Höchststand von über 8.700 Unfällen geklettert ist. Doch hinter den nackten Prozenträngen verbirgt sich ein alarmierender Trend. Während die Zahl der klassischen Blechschäden stagniert, schießen die Unfälle mit Schwerverletzten drastisch nach oben. Besonders auf zwei Rädern lebt man in Wiesbaden zunehmend gefährlich – und die Moral nach dem Aufprall sinkt auf ein historisches Tief.
Symbolfoto: Daniel Becker / Grafiken: Polizei Wiesbaden
Die polizeilichen Daten für das vergangene Jahr liegen auf dem Tisch und sie zeigen für die hessische Landeshauptstadt einen besorgniserregenden Trend. Die Polizeidirektion Wiesbaden hat die amtliche Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2025 vorgelegt. Während die Zahl der tödlichen Unfälle erfreulicherweise leicht zurückging, verzeichneten die Beamten einen spürbaren Anstieg bei den Gesamtunfällen und insbesondere bei den Kollisionen mit Personenschaden. Vor allem eine Gruppe gerät zunehmend ins Visier der Verkehrsüberwachung: Der Boom auf zwei Rädern spiegelt sich in drastisch nach oben geschnellten Unfallzahlen bei Rad-, Pedelec- und Motorradfahrern wider.
Das stetige Bevölkerungswachstum in der Region (Wiesbaden zählte zum Stichtag genau 300.089 Einwohner), der dichte Berufs- und Pendlerverkehr sowie veränderte Verkehrsführungen durch innerstädtische Großbaustellen hinterlassen deutliche Spuren auf den Straßen des Stadtgebiets. Insgesamt registrierte die Polizei im Jahr 2025 genau 8.737 Verkehrsunfälle – das sind 144 Crashs bzw. 1,68 Prozent mehr als im Vorjahr.
Besonders bitter: Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kamen, kletterte um deutliche 7,16 Prozent auf 1.003 Fälle nach oben. Insgesamt wurden dabei 1.219 Personen verunglückt. Während die Anzahl der Leichtverletzten mit exakt 1.099 Personen im Vergleich zum Vorjahr kurioserweise wie eingefroren wirkt, stieg die Zahl der Schwerverletzten massiv um 16,83 Prozent von 101 auf 118 Betroffene an. Zwei Menschen verloren auf Wiesbadens Straßen ihr Leben – immerhin einer weniger als 2024.

Verkehrsunfallstatistik Wiesbaden 2025
Hauptunfallursachen im fließenden Verkehr
| Rang | Unfallursache | Jahr 2025 | Jahr 2024 | Veränderung (absolut) | Veränderung (prozentual) |
| 1 |
Ungenügender Sicherheitsabstand |
835 |
715 |
+120 |
+16,78% |
| 2 |
Fehlerhafter Fahrstreifenwechsel oder Reißverschlusssystem-Missachtung |
551 |
496 |
+55 |
+11,09% |
| 3 |
Nicht angepasste Geschwindigkeit in anderen Fällen |
330 |
272 |
+58 |
+21,32% |
| 4 |
Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr |
323 |
346 |
-23 |
-6,65% |
| 5 |
Fehler beim Abbiegen nach links |
272 |
269 |
+3 |
+1,12% |
Das sind die Top 5 der gefährlichsten Unfallorte in Wiesbaden
Wer täglich auf den Wiesbadener Ringstraßen oder Kreuzungen unterwegs ist, kennt die typischen Nadelöhre. Die statistische Auswertung des Regionalen Verkehrsdienstes zeigt im fließenden Verkehr eine ganz klare Verteilung der fünf absoluten Unfall-Hotspots im Stadtgebiet:
-
1. Ring / Bahnhofstraße (30 Unfälle): Der unangefochtene Spitzenreiter. Hier krachte es besonders häufig beim Abbiegen, wobei Fahrzeuge meist seitlich miteinander kollidierten.
-
2. Ring / Dotzheimer Straße (26 Unfälle): Die vielbefahrene Achse zwischen Rheingauviertel und Dotzheim bleibt ein klares Unfallzentrum.
-
2. Ring / Klarenthaler Straße (21 Unfälle): Ein Schwerpunkt im Kreuzungsbereich Richtung Klarenthal.
-
Rheinstraße / Oranienstraße / Schwalbacher Straße (21 Unfälle): Die dichte Verkehrsführung in der Innenstadt sorgt hier regelmäßig für Blechschäden.
-
Hochkreisel (Mainz-Kastel) / Rampenstraße (19 Unfälle): Die Zufahrt aus den AKK-Vororten kletterte neu in die Top 5 der Statistik.
Als Hauptursachen im fließenden Verkehr macht die Polizei Wiesbaden immer wieder dieselben Fehler aus: An erster Stelle steht der ungenügende Sicherheitsabstand (835 Fälle), dicht gefolgt von Fehlern beim Fahrstreifenwechsel beziehungsweise der Missachtung des Reißverschlussverfahrens (551 Fälle) und unangepasster Geschwindigkeit (330 Fälle).
Hier ist die Übersichtstabelle der häufigsten Unfallursachen bei Zusammenstößen mit Personenschäden, basierend auf Kapitel 1.4 Hauptunfallursachen bei Unfällen mit Personenschaden aus dem Dokument Verkehrsunfallstatistik_2025_PDWI.pdf:
Hauptunfallursachen bei Unfällen mit Personenschaden
| Rang | Unfallursache | Jahr 2025 | Jahr 2024 | Veränderung zum Vorjahr |
| 1 |
Ungenügender Sicherheitsabstand |
193 |
148 |
+45 (+30,41%) |
| 2 |
Vorfahrt / Vorrang |
167 |
157 |
+10 (+6,37%) |
| 3 |
Fehler beim Abbiegen |
154 |
154 |
0 (unverändert) |
| 4 |
Geschwindigkeit (inkl. Überschreiten & unangepasst) |
114 |
84 |
+30 (+35,71%) |
| 5 |
Falsches Verhalten gegenüber Fußgängern |
103 |
126 |
-23 (-18,25%) |
Sorge um Zweiräder – Drastischer Anstieg bei Rad- und Motorradunfällen
Ein Blick auf die einzelnen Verkehrsarten zeigt eine alarmierende Entwicklung bei den schwächeren Verkehrsteilnehmern. Die Zahl der Unfälle unter Beteiligung von Radfahrenden (inklusive Pedelecs) schoss um 17,04 Prozent auf 316 Fälle nach oben. Dabei verletzten sich 237 Radfahrer. Ein genauerer Blick offenbart: Vor allem die schnellen Pedelecs verzeichneten nach einem kurzen Rückgang im Vorjahr wieder einen massiven Sprung von 74 auf 97 Unfälle (+31,08 %). Die Hauptursachen der Radler selbst waren nicht angepasste Geschwindigkeit und das Missachten des Rechtsfahrgebots – im Gegensatz dazu machten Autofahrer gegenüber Radlern vor allem Fehler beim Vorrang oder beim Abbiegen nach rechts und links.
Noch heftiger fiel das Plus bei den motorisierten Zweirädern (Motorräder und Roller) aus: Hier kletterten die Zahlen um satte 20,28 Prozent auf 433 Unfälle im Jahr 2025. Auch die umstrittenen E-Scooter reihen sich in den Negativtrend ein – die Unfälle mit Elektrokleinstfahrzeugen stiegen um 9,01 Prozent auf 121 Fälle, wobei sich die Zahl der Schwerverletzten in dieser Kategorie von vier auf acht exakt verdoppelt hat.
Es gibt jedoch auch zwei erfreuliche Lichtblicke in der Statistik: Unfälle mit zu Fuß Gehenden gingen erfreulich deutlich um 17,09 Prozent auf 165 Fälle zurück. Und auch der Alkoholkonsum am Steuer zeigt Wirkung durch Kontrollen: Die Crashs unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen sanken spürbar von 155 auf 131 Vorfälle. Demgegenüber verzeichneten die Reviere außerhalb der Stadtkerne jedoch ein deutliches Plus bei den Wildunfällen (+18,52 % auf 224 Fälle).

Verkehrsunfallstatistik Wiesbaden 2025
Jede dritte Kollision eine Unfallflucht – Kontrolldruck steigt 2026
Ein anhaltendes Riesenproblem im Wiesbadener Stadtgebiet bleibt die mangelnde Moral nach einem Zusammenstoß: Von den 8.737 registrierten Unfällen waren unglaubliche 2.996 Fälle eine Verkehrsunfallflucht. Das bedeutet, dass sich in fast 35 Prozent aller Fälle – also bei mehr als jeder dritten Kollision – ein Beteiligter unerlaubt vom Unfallort entfernte. In 124 dieser Fälle wurden dabei sogar Personen verletzt im Stich gelassen. Die Aufklärungsquote der Polizei konnte sich immerhin leicht auf 42,36 Prozent verbessern (1.269 aufgeklärte Fluchten).
Für das laufende Jahr 2026 kündigt das Polizeipräsidium Westhessen daher eine Fortsetzung des hohen Kontrolldrucks an. Sowohl im täglichen Dienst als auch bei groß angelegten, gezielten Schwerpunktkontrollen im Stadtgebiet Wiesbaden werden die Beamten die Handlungsfelder Ablenkung im Straßenverkehr (Handy am Steuer), Geschwindigkeit, die Raser-, Poser- und Tunerszene sowie das Verhalten rund um den Rad-, Fußgänger- und E-Scooter-Verkehr ins Visier nehmen, um die Sicherheit für alle Bürger nachhaltig zu erhöhen.
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InfoBox
Die Unfallstatistik 2025 kompakt auf einen Blick:
-
Gesamtunfälle: 8.737 (+1,68 % im Vergleich zum Vorjahr).
-
Personenschäden: 1.003 Unfälle mit insgesamt 1.219 Verletzten oder Getöteten.
-
Verletzungsschwere: 1.099 Leichtverletzte (unverändert), 118 Schwerverletzte (+16,83 %), 2 Getötete.
-
Unfallfluchten: 2.996 Straftaten mit einer Aufklärungsquote von 42,36 %.
-
Risikogruppen: Massiver Zuwachs bei Motorradunfällen (433 Fälle) und Rad/Pedelec-Crashs (316 Fälle).
-
Gefahrenpunkt Nr. 1: Kreuzung 1. Ring / Bahnhofstraße mit 30 dokumentierten Unfällen.
Hier ist die übersichtliche Tabelle basierend auf den offiziellen Daten aus Kapitel 1.1 (Eckdaten der Verkehrsunfallstatistik) der bereitgestellten Datei Verkehrsunfallstatistik_2025_PDWI.pdf:
Eckdaten der Verkehrsunfallstatistik für die Polizeidirektion Wiesbaden
| Kategorie / Kennwert | Jahr 2025 | Jahr 2024 | Veränderung zum Vorjahr | Trend |
| Gesamtzahl der Unfälle |
8.737 |
8.593 |
+1,68% (+144) |
↗ |
| Unfälle mit Leichtverletzten |
892 |
836 |
+6,70% (+56) |
↑ |
| Unfälle mit Schwerverletzten |
109 |
97 |
+12,37% (+12) |
↑↑ |
| Unfälle mit Getöteten |
2 |
3 |
-33,33% (-1) |
↓↓ |
| Verunglückte Personen (Gesamt) |
1.219 |
1.203 |
+1,33% (+16) |
↗ |
| * davon Leichtverletzte |
1.099 |
1.099 |
0% (0) |
→ |
| * davon Schwerverletzte |
118 |
101 |
+16,83% (+17) |
↑↑ |
| * davon Getötete |
2 |
3 |
-33,33% (-1) |
↓↓ |
| Spezifische Risikogruppen & Beteiligte: | ||||
| Unfälle mit Kindern (0–13 Jahre) |
78 |
81 |
-3,70% (-3) |
↘ |
| Unfälle mit Jugendlichen (14–17 Jahre) |
118 |
107 |
+10,28% (+11) |
↑↑ |
| Unfälle mit jungen Fahrenden (18–24 Jahre) |
1.684 |
1.624 |
+3,69% (+60) |
↗ |
| Unfälle mit Personen der Altersgruppe 65–74 Jahre |
1.102 |
1.031 |
+6,89% (+71) |
↑ |
| Unfälle mit Seniorinnen und Senioren (≥ 75 Jahre) |
795 |
866 |
-8,20% (-71) |
↓ |
| Unfälle mit zu Fuß Gehenden |
165 |
199 |
-17,09% (-34) |
↓↓ |
| Unfälle mit Radfahrenden (inkl. Pedelecs) |
316 |
270 |
+17,04% (+46) |
↑↑ |
| Unfälle mit motorisierten Zweirädern |
433 |
360 |
+20,28% (+73) |
↑↑ |
| Unfälle mit E-Scootern |
121 |
111 |
+9,01% (+10) |
↑ |
| Kriminalität & Besondere Einflüsse: | ||||
| Verkehrsunfallfluchten |
2.996 |
2.920 |
+2,60% (+76) |
↗ |
| * davon aufgeklärte Verkehrsunfallfluchten |
1.269 |
1.226 |
+3,51% (+43) |
↗ |
| * Aufklärungsquote |
42,36% |
41,99% |
+0,37% (+0,88%) |
↗ |
| Unfälle unter Einfluss von Alkohol |
101 |
126 |
-19,84% (-25) |
↓↓ |
| Unfälle unter Einfluss von Drogen |
8 |
13 |
-38,46% (-5) |
↓↓ |
| Wildunfälle |
224 |
189 |
+18,52% (+35) |
↑↑ |

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