Neues Konzept
Innovatives Punktesystem für den Umweltschutz: Wiesbaden führt neues Bodenmanagement zur nachhaltigen Stadtentwicklung ein
Um die knappe und wertvolle Ressource Boden besser zu schützen, führt Wiesbaden ein neues, digitales Bodenmanagement-Konzept ein. Künftig entscheidet ein striktes „Punktekonto“ darüber, wo und in welchem Maße neue Bauprojekte im Außenbereich realisiert werden dürfen. Der Schutz hochwertiger Böden wird damit systematisch mit dem Drang nach neuem Wohnraum abgewogen.
Symbolfoto
Die Landeshauptstadt Wiesbaden geht einen großen und verbindlichen Schritt in Richtung klimagerechte und nachhaltige Stadtentwicklung. Die Stadtverordnetenversammlung hat ein völlig neues Konzept für das kommunale Bodenmanagement beschlossen. Bei künftigen Bau- und Planungsvorhaben wird der Schutz des natürlichen Bodens systematisch und transparent berücksichtigt – eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen für die gesamte Stadtplanung.
Das neue „Bodenkontingent“ – Bauen nach Punkten
Das Herzstück und zentrale Steuerungsinstrument des neuen Konzepts ist ein innovatives System, das wie ein Sparkonto funktioniert: das sogenannte Bodenkontingent. Für das gesamte Stadtgebiet von Wiesbaden wurde ein festes Gesamtbudget von 1.044 Bodenindexpunkten definiert. Diese Punkte errechnen sich individuell aus der reinen Flächengröße sowie der ökologischen Qualität und Beschaffenheit des jeweiligen Bodens.
Wenn künftig Bauvorhaben neue, unberührte Flächen im Außenbereich in Anspruch nehmen wollen, werden die entsprechenden Punkte von diesem städtischen Gesamtbudget unwiderruflich „abgebucht“. Das Prinzip ist einfach: Je größer die geplante Baufläche und je hochwertiger der dortige Boden ist, desto mehr Punkte kostet das Projekt. Da das Kontingent streng begrenzt ist, wird es für Investoren und Planer in Zukunft deutlich attraktiver, Bauvorhaben gezielt auf Flächen mit ohnehin geringerer Bodenqualität umzusetzen.
Balance zwischen Wohnungsbau und Klimaschutz
Das neue Regelwerk soll den permanenten Interessenkonflikt in einer wachsenden Stadt lösen. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) betont die Notwendigkeit dieses Schritts: „Wiesbaden braucht dringend neuen Wohnraum und muss zugleich absolut verantwortungsvoll mit seinen natürlichen Ressourcen umgehen. Das neue Bodenmanagementkonzept schafft dafür ab sofort einen verlässlichen, fairen Rahmen und hilft uns dabei, eine nachhaltige und zukunftsorientierte Stadtentwicklung dauerhaft zu sichern.“
Wiesbadens Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Christiane Hinninger (Die Grünen) hebt die ökologische Bedeutung hervor: „Böden erfüllen lebenswichtige Funktionen: Sie sind die elementare Grundlage für unsere Nahrungsmittelproduktion, sie speichern Wasser bei Starkregen, regulieren das urbane Stadtklima und bieten unersetzlichen Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Mit dem neuen Konzept wollen wir diese knappe Ressource besser schützen, indem wir die fortschreitende Bodenversiegelung konsequent begrenzen und steuern.“
Offizielles Entwicklungskonzept nach dem Baugesetzbuch
Das zukunftsweisende Konzept wurde in monatelanger enger Zusammenarbeit vom Wiesbadener Umweltamt und dem Stadtplanungsamt entwickelt. Es wird ab sofort standardmäßig in der gesamten Bauleitplanung der Stadt angewendet.
Durch den aktuellen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gilt das Regelwerk offiziell als städtebauliches Entwicklungskonzept nach dem deutschen Baugesetzbuch (BauGB). Damit haben die Planer ein rechtssicheres Instrument an der Hand, um die Auswirkungen von Bauvorhaben auf die Umwelt künftig wesentlich transparenter zu bewerten und Standorte für Gewerbe oder Wohnen bewusster auszuwählen.
Weiterführende und detaillierte Informationen zum neuen Konzept sowie zum Thema Bodenschutz in der Landeshauptstadt finden interessierte Bürgerinnen und Bürger online unter www.wiesbaden.de/bodenschutz.
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InfoBox
Das neue Bodenmanagement kompakt:
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Was: Einführung eines Bodenmanagementkonzepts mit einem festen Budget von 1.044 Bodenindexpunkten.
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Ziel: Systematischer Schutz hochwertiger Böden und gezielte Steuerung der Bodenversiegelung im Außenbereich.
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Rechtlicher Status: Offizielles städtebauliches Entwicklungskonzept nach dem Baugesetzbuch (BauGB).
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Auswirkung: Bauprojekte auf ökologisch wertvollen Böden werden „teurer“ im Punkteverbrauch; Fokus rückt auf Flächen mit geringerer Bodenqualität.


