Stadtökologie erleben

Krautschau in Wiesbaden‑Nordost: Aktion macht versteckte Stadtnatur sichtbar

In Wiesbaden lädt eine Pflanzen‑Entdeckungstour dazu ein, die oft übersehene Pflanzenwelt im urbanen Raum neu wahrzunehmen. Bei der Mitmach‑Aktion erfahren Teilnehmer, welche Arten sich in Fugen und Ritzen behaupten und warum sie für das Stadtklima wichtig sind.

Von: |Erschienen am: 11. Mai 2026 16:02|

Foto: BUND Kreisveband Wiesbaden

Obwohl Innenstädte stark von Beton, Hitze und Verdichtung geprägt sind, wachsen dort zahlreiche Pflanzen, die sich an extreme Bedingungen angepasst haben. Diese sogenannten Ritzenrebellen trotzen auch in Wiesbaden Trittbelastung, Trockenheit und Verschmutzung.

Mehr als 500 Arten von Kräutern, Gräsern und Moosen tragen zur Versickerung von Regenwasser, zur Kühlung versiegelter Flächen und zur Staubbindung bei. Gleichzeitig bieten sie wertvolle Lebensräume für Insekten wie Wildbienen und Käfer.

Hintergrund der Krautschau

Die Krautschau ist eine internationale Graswurzelbewegung, die auf die weit verbreitete Pflanzenblindheit aufmerksam machen möchte, die fehlende Wahrnehmung von Pflanzen im direkten Umfeld.

Die Aktion stammt ursprünglich aus Frankreich und verbreitete sich über England nach Deutschland, wo die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung die Koordination übernommen hat. Unter den Hashtags #Krautschau und #MehrAlsUnkraut wächst die Aufmerksamkeit für die städtische Mikrowildnis.

Mit Kreide und App unterwegs

Bei einer Krautschau werden Pflanzen im urbanen Raum mit bunter Kreide markiert und benannt, um ihnen öffentliche Sichtbarkeit zu geben. Bestimmungsapps wie FloraIncognita oder ObsIdentify unterstützen dabei, die Arten zu identifizieren.

Die Aktion lädt dazu ein, sich buchstäblich auf Augenhöhe mit den kleinen Überlebenskünstlern zu begeben.

Mitmach-Aktion in Wiesbaden-Nordost

Am Montag, 18. Mai, beginnt um 17:00 Uhr eine Krautschau an der Bushaltestelle Humperdinckstraße in Wiesbaden-Nordost. Geleitet wird die rund zweistündige Veranstaltung von den Biologen Claudia Gallikowski und Ulli Kaiser.

Die Teilnahme ist kostenfrei und findet im Rahmen der Wiesbadener Wochen der biologischen Vielfalt statt. Wer ein Handy mit Pflanzenbestimmungsapp und Kreide mitbringt, kann selbst aktiv werden und ein Zeichen gegen Pflanzenblindheit setzen.

Weitere Termine

Für Interessenten, die am ersten Termin nicht teilnehmen können, gibt es eine zweite Möglichkeit: Am Mittwoch, 10. Juni, findet um 18:00 Uhr eine weitere Krautschau zur urbanen Pflanzenvielfalt am Michelsberg 15 statt, organisiert vom BUND Kreisverband Wiesbaden.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!