Erinnerungskultur

Gedenkstunde zum Kriegsende in Wiesbaden – 8. Mai als Befreiung und Neubeginn

Der 8. Mai markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Untergang des NS-Regimes. Doch wie demokratisch war der Neubeginn in Wiesbaden wirklich? Zum 81. Jahrestag lädt die Landeshauptstadt am Freitag zu einer Gedenkstunde im „WerkRaum“ ein, die kritische Schlaglichter auf die Wiesbadener Nachkriegsgeschichte wirft.

Von: |Erschienen am: 5. Mai 2026 20:45|

Symbolfoto: KI

Es ist ein Datum, das wie kaum ein anderes für einen fundamentalen Einschnitt in der deutschen Geschichte steht: der 8. Mai. Während das Datum für Überlebende der Konzentrationslager den Tag der Befreiung bedeutete, war es für viele Deutsche zunächst ein Tag der Niederlage, der Besatzung und der Ungewissheit. Am kommenden Freitag, 8. Mai, widmet sich Wiesbaden diesem vielschichtigen Gedenken ab 17:00 Uhr im WerkRaum (ehemaliges Sport-Scheck-Gebäude, Langgasse 5-9).

„Individuelle Erinnerungen prägen die Familien“

Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) betont im Vorfeld der Veranstaltung die tiefe Verwurzelung des Datums im kollektiven Gedächtnis. „Die Schrecken und Grausamkeiten des Kriegsendes werden in den Familien ganz individuell erinnert. Insbesondere der Verlust von Angehörigen und der Wohnung prägen diese Erinnerungen“, so Mende.

Gleichzeitig weist er auf die enorme Leistung der Kommunen hin, die in einer Zeit von Nahrungsmittelknappheit und Mangel nicht nur die Grundversorgung sichern, sondern auch zerstörte Verwaltungsstrukturen von Grund auf neu aufbauen mussten.

Vortrag im Fokus – War der Neuanfang wirklich demokratisch?

Zentraler Bestandteil der Gedenkstunde ist der Vortrag des Historikers Dr. Philipp Kratz. Er geht der spannenden Frage nach, wie es um die politische Herrschaft und die Entnazifizierung in Wiesbaden zwischen 1945 und 1955 bestellt war.

Kratz stellt dabei eine provokante These auf: Der Neubeginn war zunächst alles andere als demokratisch. Durch den Vergleich der Herrschaftsverhältnisse unmittelbar nach Kriegsende mit der Situation zehn Jahre später (1955) zeigt der Historiker auf, wie schleppend die Entnazifizierung teilweise verlief und welche lokalen Kontinuitäten fortbestanden. Seine Erkenntnisse basieren auf aktuellen lokalhistorischen Studien sowie dem neuen Band „Kriegsende und Neuanfang an Rhein und Main“ aus der Schriftenreihe des Stadtarchivs.

Ein Ort für das Gedächtnis der Stadt

Die Wahl des Veranstaltungsortes – der „WerkRaum“ in der Langgasse – unterstreicht den Anspruch der Stadt, Geschichte dort zu diskutieren, wo die Menschen heute zusammenkommen. Nach einem Grußwort des Oberbürgermeisters wird die Gedenkstunde Raum für Reflexion über die Anfänge unserer heutigen Demokratie bieten.

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InfoBox

Service-Informationen:

  • Was: Gedenkstunde zum 81. Jahrestag des Kriegsendes

  • Wann: Freitag, 8. Mai 2026, ab 17:00 Uhr

  • Wo: WerkRaum (ehem. Sport-Scheck), Langgasse 5-9, 65183 Wiesbaden

  • Referent: Dr. Philipp Kratz

  • Eintritt: Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen.