Kriminalität
Schlag gegen sexualisierte Gewalt: Razzien in Wiesbaden – Ermittlungen gegen fünf Beschuldigte
Hessenweite Schwerpunktaktion gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie. In der vergangenen Woche durchkämmten Ermittler landesweit 69 Wohnungen. Auch in Wiesbaden schlug die Polizei zu. In der Landeshauptstadt standen die Beamten bei fünf Personen vor der Tür – die Vorwürfe wiegen schwer, doch in einem Fall gab es eine wichtige Entlastung.
Symbolfoto
Es war ein koordinierter Großeinsatz unter der Federführung des Hessischen Landeskriminalamts (HLKA) und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT). Zwischen Montag und Freitag letzter Woche (13. bis 17. April) rückten hessische Polizeikräfte aus, um ein deutliches Zeichen gegen die Verbreitung von Kinderpornografie und sexualisierte Gewalt zu setzen. Insgesamt richteten sich die Maßnahmen gegen 71 Beschuldigte im Alter von 14 bis 70 Jahren.
Vier Verfahren und fünf Durchsuchungen in Wiesbaden
Während der landesweite Fokus auf der Sicherstellung von über 1.100 Datenträgern lag, bildete die Landeshauptstadt einen Schwerpunkt der Maßnahmen. In Wiesbaden wurden insgesamt fünf Beschuldigte im Rahmen von vier Ermittlungsverfahren aufgesucht.
Ein 52-jähriger Mann aus Wiesbaden steht im Visier der Fahnder: Ihm wird der Besitz sowie die Verbreitung von kinderpornografischem Material zur Last gelegt. Mit dem selben Vorwurf wurde ein 42-jähriger Wiesbadener konfrontiert. Hier führte die Polizei ebenfalls eine umfassende Durchsuchung der Wohnräume durch und stellte Beweismittel sicher, die nun forensisch ausgewertet werden.
Auch ein jüngerer Beschuldigter ist Teil der Ermittlungen. Einem 25-jährigen Mann wird ebenfalls vorgeworfen, kinderpornografische Aufnahmen besessen und verbreitet zu haben.
Schwerer Vorwurf gegen zwei Wiesbadener – HLKA gibt Entwarnung
In einem weiteren, besonders sensiblen Ermittlungsverfahren standen zwei Wiesbadener im Alter von 30 und 31 Jahren im Fokus. Ursprünglich lautete der Vorwurf hier auf sexuellen Missbrauch von Kindern.
Nach der Durchsuchung der Wohnungen und einer intensiven Befragung der beiden Frauen konnten die Beamten jedoch eine wichtige Nachricht vermelden. Der ursprüngliche Anfangsverdacht gegen die beiden Wiesbadenerinnen konnte ausgeräumt werden. Nach Angaben des HLKA liegt in diesem spezifischen Fall keine Straftat vor.
Massive Sicherstellung von Beweismitteln
Landesweit wurden bei den Razzien 1.146 deliktsspezifische Gegenstände sichergestellt – überwiegend Smartphones, Laptops und Festplatten. Die Ermittler betonen, dass die Auswertung dieser enormen Datenmengen nun Priorität hat. Besonders im Fokus steht dabei auch die Zunahme von KI-generiertem Material. Die Polizei warnt ausdrücklich: Auch künstlich erzeugte Bilder von Kindesmissbrauch sind strafbar, sofern sie realitätsnah wirken und Kinder sexualisieren.
Die Ermittlungen in den aktuellen Fällen, insbesondere die technische Auswertung der in Wiesbaden sichergestellten Geräte, dauern an.
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InfoBox
Hintergrund: Einheit „FOKUS“ im Dauereinsatz
Die Einheit „FOKUS“, die im Oktober 2020 unter anderem aufgrund stetig steigender Fallzahlen, zunächst als Besondere Aufbauorganisation (BAO), ihre Arbeit aufgenommen hat, ist bereits seit Februar 2024 fester Bestandteil der Regelorganisation der sieben hessischen Polizeipräsidien und des Hessischen Landeskriminalamts. Mit dem Ziel, polizeiliche Maßnahmen gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie in Hessen zu bündeln und zu intensiveren, verfolgt die hessische Polizei mit mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter rund 170 Ermittlerinnen und Ermittler, gezielt Sexualstraftaten an Kindern und Jugendlichen.
Bei allen hessischen Staatsanwaltschaften sind Sonderdezernate für die Verfolgung von Kinderpornografie und Kindesmissbrauch eingerichtet. Alleine im vergangenen Jahr wurden über 1.600 Durchsuchungsbeschlüsse sowie 48 Haftbefehle gegenüber knapp 1.620 Beschuldigten vollstreckt und mehr als 15.400 Datenträger sichergestellt.


