Razzien

Millionen-Betrug mit wertlosen Büchern – Ermittler durchsuchen Geschäftsräume auch in Wiesbaden

Ein bundesweites Netzwerk aus Betrügern hat jahrelang ältere Menschen um ihre Ersparnisse gebracht. Mit der Masche des sogenannten "Faksimile-Betruges“ erbeutete die Bande rund 11 Millionen Euro. Am Mittwochmorgen schlugen 200 Einsatzkräfte zeitgleich in vier Bundesländern zu – auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden stand ein Objekt im Visier der Ermittler.

Von: |Erschienen am: 25. März 2026 13:54|

Symbolfoto

Es ist einer der größten Schläge gegen die organisierte Kriminalität im Bereich des Anlage- und Sammlerbetruges in den letzten Jahren. In einer konzertierten Aktion der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und des Hessischen Landeskriminalamtes (HLKA) wurden am Mittwochmorgen, 25. März, insgesamt 27 Objekte durchsucht – über 200 Beamte waren im Einsatz. Während die Schwerpunkte der Razzia in Frankfurt und Unterfranken lagen, bestätigten die Behörden nun, dass die Ermittlungen auch die hessische Landeshauptstadt erreicht haben.

Durchsuchung in Wiesbadener Geschäftsräumen

Im Rahmen der großangelegten Operation wurde in Wiesbaden ein Gewerbeobjekt von Spezialkräften des Gemeinsamen Finanzermittlungszentrums (GFEZ) durchsucht. Ziel der Maßnahme war die Sicherung von Beweismitteln gegen eine hochprofessionell agierende Bande. Zwar machten die Ermittler aufgrund des laufenden Verfahrens keine genauen Angaben zur Lage des Objekts, betonten jedoch, dass die Durchsuchung Teil eines komplexen Netzwerkes aus Scheinfirmen ist, das die Bande über Jahre hinweg zur Verschleierung ihrer Taten genutzt haben soll.

Die perfide Masche – Astronomische Preise für wertlose Drucke

Die Vorgehensweise der Gruppierung, der mindestens 370 Taten seit dem Jahr 2022 vorgerechnet werden, war so simpel wie grausam. Die Täter suchten gezielt den Kontakt zu älteren Menschen, die im Besitz von Faksimiles (hochwertigen Nachbildungen historischer Bücher) waren. Den Opfern wurde vorgegaukelt, es gäbe einen finanzstarken Käufer, der bereit sei, „astronomische Summen“ für ihre Sammlungen zu zahlen.

Um den vermeintlichen Millionen-Deal abzuschließen, müssten die Senioren lediglich vorab Gebühren für Versicherung, Notare oder den Transport leisten. Die psychologische Beeinflussung ging so weit, dass einige Geschädigte sogar Bankkredite aufnahmen, um die geforderten Vorauszahlungen an die Betrüger zu leisten. Das versprochene Geld für die Bücher sahen die Opfer freilich nie. Daran war auch ein Unternhmen bzw. Personen aus Wiesbaden beteiligt.

Festnahmen und Sicherstellung von Luxusgütern

Insgesamt wurden fünf Haftbefehle vollstreckt, darunter gegen einen 36-jährigen Deutschen aus Unterfranken, der als Kopf der Bande gilt. Er soll eine Gruppe von „Vertriebspartnern“ angeleitet haben, die den direkten Kontakt zu den Opfern suchten. Neben ihm klickten auch für drei mutmaßliche Komplizen und eine 33-jährige Frau aus einem Frankfurter Callcenter die Handschellen.

Die Ermittler fackelten zudem nicht lange, was die Beute angeht: 22 Arrestbeschlüsse über insgesamt 11 Millionen Euro wurden vollstreckt. In Unterfranken wurde ein Luxus-Sportwagen der Marke Mercedes-AMG im Wert von über 200.000 Euro sichergestellt. Zudem pfändeten die Beamten zwei Immobilien und froren 50 Bankkonten ein, um den Schaden für die Opfer zumindest teilweise wiedergutzumachen.

Hochprofessionelle Strukturen im Visier

Der Fall zeigt eindrucksvoll die Arbeitsteilung moderner Bandenkriminalität. Unter dem Deckmantel von Scheinfirmen wurden die Opfer erst telefonisch „warm telefoniert“ und anschließend von den vermeintlichen Experten vor Ort besucht, um den Vertrauensbeweis zu finalisieren. Dass nun auch in Wiesbaden Geschäftsräume durchsucht wurden, unterstreicht die regionale Vernetzung der Bande. Das Gemeinsame Finanzermittlungszentrum, in dem Staatsanwälte, Polizisten und Steuerfahnder Hand in Hand arbeiten, führt die weiteren Ermittlungen nun fort, um die gesamte Struktur der Frankfurter Gruppierung endgültig zu zerschlagen.

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