Kunstförderung
Follow‑Fluxus‑Stipendium geht an Christian Naujoks
Ein Künstler, 408 Bewerbungen und ein Konzept, das die Jury einstimmig überzeugte: Das Follow‑Fluxus‑Stipendium geht in die nächste Runde und bringt einen Berliner Klangkünstler für drei Monate nach Wiesbaden. Welche Ideen er mitbringt und warum sein Ansatz heraussticht, zeigen die Details der Entscheidung.
Foto: Diana Pfammatter
Das renommierte Stipendium „Follow Fluxus – Fluxus und die Folgen“ geht in diesem Jahr an den Berliner Künstler Christian Naujoks.
Die Landeshauptstadt Wiesbaden und der Nassauische Kunstverein vergeben die Auszeichnung bereits zum achtzehnten Mal. Von Juni bis August wird Naujoks für einen dreimonatigen Arbeitsaufenthalt in Wiesbaden sein.
Stipendium mit neuer Ausrichtung
Seit seiner Einführung im Jahr 2008 verfolgt das Stipendium das Ziel, internationale Kunstschaffende zu fördern, die sich in ihrer Arbeit mit den Ideen der Fluxus‑Bewegung auseinandersetzen und diese weiterentwickeln. Neben einem Preisgeld von 10.000 Euro umfasst die Förderung eine Einzelausstellung im Kunstverein, die für 2026/2027 geplant ist.
Für den kommenden Turnus wurde das Vergabeverfahren erstmals grundlegend verändert: Das Stipendium wurde öffentlich ausgeschrieben, um den Zugang breiter und inklusiver zu gestalten. Bewerberinnen und Bewerber mussten ein Projekt einreichen, das Fluxus‑Praktiken zeitgenössisch interpretiert und ins 21. Jahrhundert überführt.
Jury wählt aus 408 Bewerbungen
Die fünfköpfige Jury, bestehend aus Jana Dennhard, Elmar Hermann, Dr. Barbara Engelbach, Monique Behr und Lotte Dinse, entschied sich einstimmig für Naujoks. In ihrer Begründung heißt es: „Mit seinem Projektvorschlag beeindruckte Christian Naujoks die Jury wegen einer interdisziplinären Praxis, die Fragen des Hörens auf überzeugende Weise mit gesellschaftlichen, körperlichen und räumlichen Dimensionen verbindet.
Naujoks versteht Hören nicht als neutrales Wahrnehmen, sondern als etwas, das durch Technik, Sprache und soziale Konventionen hergestellt wird. Ausgehend von seiner eigenen Erfahrung mit Tinnitus und Hörbeeinträchtigungen, lenken Naujoks Performances und Klangarbeiten feinfühlig, eindringlich und scharfsinnig den Fokus auf Momente, in denen das Hören fragil wird, Laute übersteuern oder sich auflösen.“
Klangkunst im Fokus
Für die kommende Ausstellung im Nassauischen Kunstverein plant Naujoks eine Verbindung aus Klanginstallation, performativen Elementen und partizipativen Formaten. Dabei sollen unterschiedliche Formen des Hörens einbezogen werden. Ziel ist es, neue Zugänge zur Klangkunst zu eröffnen und einen Raum zu schaffen, in dem gemeinsames Hören und individuelle Wahrnehmungen erfahrbar werden.
Ein Künstler mit internationaler Präsenz
Christian Naujoks, Jahrgang 1980, lebt und arbeitet in Berlin. Seine Werke der Klangkunst wurden bereits in zahlreichen internationalen Institutionen präsentiert, darunter im Kunstverein Nürnberg, den KW Institute for Contemporary Art in Berlin, dem Museum of Contemporary Art Santa Barbara, bei Sonic Somatic in Florenz sowie in der Elbphilharmonie Hamburg und der Royal Academy of Arts in London.
Zudem veröffentlicht er Musik beim Berliner Label Dial Records und wurde 2019 mit dem Villa Romana‑Preis ausgezeichnet. Arbeiten von ihm befinden sich unter anderem im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart und in der Kunstsammlung Nordrhein‑Westfalen K21.
Lange Liste namhafter Stipendiaten
Zu den bisherigen Follow‑Fluxus‑Stipendiaten zählen unter anderem Emily Wardill, Jimmy Robert, Kateřina Šedá, Taro Izumi, Adriana Lara, Jace Clayton, David Horvitz, Daniela Ortiz und zuletzt Lola Göller.
Ermöglicht wird das Kunststipendium durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden.
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