Bürgerinitiative

ZukunftsHausBiebrich: 200 Menschen warten auf ein Signal der Stadt

In Wiesbaden-Biebrich wächst eine Bewegung, die mehr will als schöne Ideen: Fast 200 Menschen stehen bereit, ein genossenschaftliches Zukunftsprojekt auf den Weg zu bringen, doch aus dem Rathaus kommt kein Wort. Während die Zeit für einen entscheidenden Förderantrag knapp wird, spitzt sich die Lage zu. Warum das Projekt Potenzial hat und weshalb die Geduld vieler nun am Ende ist erläutert die Initiative.

Von: |Erschienen am: 9. März 2026 18:25|

Foto: ZukunftsHausBiebrich / Archivfoto

Ein mögliches Ende der langen Hängepartie rund um das Zollensemble rückt in greifbare Nähe. Fast 200 Bürger aus dem Wiesbadener Stadtteil Biebrich sowie der Ortsbeirat sprechen sich für das ZukunftsHausBiebrich aus und drängen auf ein Gespräch mit der Stadt. Die Initiatoren betonen, dass die Zeit drängt.

Ein Konzept mit breiter Basis

Mit dem Verkauf des Zollspeichers an die Wilhelm-Heckel GmbH eröffnet sich nach mehr als zwei Jahrzehnten Stillstand die Chance, das Areal baulich und inhaltlich neu zu ordnen. Das ZukunftsHausBiebrich, getragen von einer gemeinnützigen Genossenschaft in Gründung, liegt als durchdachtes und förderfähiges Konzept vor. Rund 200 engagierte Biebricher bringen Ideen, Fachwissen und ehrenamtliches Engagement ein.

Geplant sind unter anderem eine Mitmach-Ausstellung zu den 17 Nachhaltigkeitszielen, ein außerschulischer Lernort, Räume für Kultur und Begegnung sowie eine Plattform für die Gruppen des Biebricher Netzwerks BieNe. Auch eine gastronomische Nutzung ist vorgesehen.

Förderung in Aussicht

Das Land Hessen hat bestätigt, dass das Projekt im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt Biebrich-Mitte vollständig förderfähig ist. Aus dem Verkaufserlös des Zollspeichers und den Fördermitteln könnten rund drei Millionen Euro bereitgestellt werden.

Damit wäre ein großer Teil der veranschlagten Gesamtkosten von knapp fünf Millionen Euro gedeckt. Die Stadt Wiesbaden muss in Kürze den finalen Förderantrag einreichen. Das Land hat mehrfach betont, dass im Programmgebiet noch ein Leuchtturmprojekt fehle.

Genossenschaft als Modell

Die Initiatoren verweisen auf die Vorteile einer Genossenschaft: demokratische Strukturen, Selbstverwaltung und eine Entlastung des städtischen Haushalts.

Bereits bei der Gründung unterliegt eine Genossenschaft einer Pflichtprüfung, kostendeckendes Wirtschaften ist Voraussetzung.

Unterstützung aus dem Ortsbeirat

Der Ortsbeirat Biebrich hat am 21. Januar erneut seine Zustimmung zum Projekt bekräftigt. Die politischen Leitlinien der Stadtverordnetenversammlung, öffentliche Nutzung, Passung zum Rhein.Main.Ufer-Konzept und eine mindestens kostendeckende Betriebsstruktur, sieht er erfüllt.

Doch trotz dieser Rückendeckung bleibt die Stadtspitze bislang ohne Rückmeldung. Die Initiatoren kritisieren, dass weder mit ihnen noch mit dem Ortsbeirat Gespräche geführt werden.

Offene Fragen und wachsende Sorge

Die Verlängerung der Frist für den Förderantrag bis Anfang April wird als positives Signal gewertet. Dennoch befürchten die Verantwortlichen eine erneute Verzögerung, da der Antrag offenbar auf Basis einer Machbarkeitsstudie gestellt werden soll, die zentrale Fragen noch nicht abschließend klären kann. Dazu zählen Denkmalschutz, Barrierefreiheit, Wirtschaftlichkeit einer größeren Gastronomie, Folgekosten, Verwaltung und mögliche Leerstandsrisiken.

Die Initiatoren warnen, dass nach 20 Jahren Stillstand eine weitere Hängepartie drohen könnte. Sie stellen Fragen nach der künftigen Verwaltung des Gebäudes, den Personal- und Instandhaltungskosten, dem Risiko von Mindereinnahmen sowie dem zeitlichen Ablauf von Planung und Umsetzung.

Appell an den Magistrat

Die Verantwortlichen der potentiellen Genossenschaft betonen ihre Gesprächsbereitschaft. „Wir wollen zeigen, dass sich bereits jetzt viele Menschen hinter dem ZukunftsHausBiebrich vereinen können“, heißt es in ihrem öffentlichen Appell.

Sie fordern den Magistrat auf, die Beschlüsse des Ortsbeirats und der Stadtverordnetenversammlung ernst zu nehmen, das Konzept sowie die Wirtschaftlichkeitsberechnung sorgfältig zu prüfen und sich mit den Chancen einer Genossenschaftslösung auseinanderzusetzen.

Frist läuft

„Wir bleiben gesprächsbereit und vor dem Hintergrund der Frist zur Einreichung des letzten Förderantrages in diesem Städtebauförderprogramm ist Eile geboten!“

Unterzeichnet ist der Appell von Vertretern des Ortsbeirats, der Wilhelm Heckel GmbH, des Kulturkaufhauses Biebrich, der WandelWerkstattWelt, des Biebricher Netzwerks BieNe sowie weiteren Unterstützern aus dem Stadtteil Wiesbaden-Biebrich.

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