Bilanz

Wiesbaden senkt Emissionen: 19% weniger CO₂ seit 2019 – Klimaziele vorerst erreicht

Wiesbaden atmet auf: Die neueste Treibhausgasbilanz des Umweltamtes zeigt einen signifikanten Rückgang der Emissionen um 19 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr. Während die Wirtschaft massiv einspart, warnt Umweltdezernentin Christiane Hinninger jedoch vor einer "Kostenfalle" bei der künftigen Wärmeversorgung und sieht dringenden Handlungsbedarf im Verkehrssektor.

Von: |Erschienen am: 9. März 2026 18:20|

Symbolfoto

Die hessische Landeshauptstadt kommt ihren Klimazielen ein Stück näher. Das Umweltamt hat die Energie- und Treibhausgasbilanz für die Jahre 2021 bis 2023 fortgeschrieben. Das zentrale Ergebnis: Im Jahr 2023 wurden 2,25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen – das sind 19 Prozent weniger als noch 2019. Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 konnten die Emissionen pro Kopf sogar um beachtliche 39 Prozent gesenkt werden.

Wirtschaft als Motor der Einsparungen

Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang im Sektor Wirtschaft. Hier sanken die Emissionen um 29 Prozent. Dieser Wert ist jedoch zweischneidig. Er resultiert zum Teil aus echten Effizienzsteigerungen, aber auch aus Produktionsrückgängen infolge der massiv gestiegenen Energiepreise während der Krise 2022/23.

„Das ist eine gute Nachricht für den Klimaschutz und zeigt, dass die Anstrengungen von Stadt, Bürgerschaft und Unternehmen wirken“, erklärt Wiesbadens Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Die Grünen). Dennoch dürfe man sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen.

Kritik an Bundesplänen – Die „Kostenfalle“ beim Heizen

Trotz der positiven Gesamttendenz bleibt die Wärmeversorgung das Sorgenkind der Stadt. Rund zwei Drittel der Wiesbadener Haushalte und Betriebe heizen nach wie vor mit Erdgas. Hinninger übt in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an den aktuellen Gesetzesplänen der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz.

Die Dezernentin warnt davor, einseitig auf „grüne Gase“ zu setzen. „Die Menge der benötigten grünen Gase ist nicht gesichert. Darauf zu setzen, treibt die Kunden in eine Kostenfalle“, so Hinninger. Die Stadt setzt stattdessen auf den kommunalen Wärmeplan, der zur Jahresmitte veröffentlicht wird. Er soll klare Korridore für den Fernwärmeausbau und klimaneutrale Lösungen für alle Stadtbezirke aufzeigen.

Solar-Boom und Sorgenkind Verkehr

Ein Lichtblick ist die lokale Energiewende auf den Dächern. Allein im Jahr 2023 wurden in Wiesbaden über 13 Megawatt Solarleistung neu installiert – ein Rekordwert, der durch städtische Förderprogramme massiv angekurbelt wurde.

Ganz anders sieht es auf den Straßen aus. Die Emissionen im Verkehrsbereich sanken seit 2019 lediglich um vier Prozent – ein Rückgang, der primär auf vermehrtes Homeoffice zurückzuführen ist. Zwar liegt Wiesbaden bei den Neuzulassungen von E-Autos über dem Schnitt, doch der Bestand an fossilen Fahrzeugen ist noch immer zu hoch, um die Bilanz spürbar zu entlasten.

Massive Investitionen in Mobilitätswende

Um hier gegenzusteuern, treibt die Stadt gemeinsam mit ESWE Verkehr zahlreiche Projekte voran:

  • Elektrifizierung der Busflotte: Schrittweiser Umstieg auf emissionsfreie Antriebe.

  • Ladeinfrastruktur: Ausbau von Ladepunkten und das neue E-Mobility-Hub am Elsässer Platz.

  • Rad- und Fußverkehr: Ausbau des Wegenetzes und zusätzliche Carsharing-Angebote.

„Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir uns Klimaschutz leisten können – sondern ob wir es uns leisten können, auf wirksamen Klimaschutz zu verzichten“, bilanziert Hinninger abschließend.

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Die Klima-Zahlen im Quick-Check:

  • Gesamtemissionen 2023: 2,25 Mio. Tonnen CO₂ (-19 % zu 2019).

  • Rückgang seit 1990: -33 % absolut, -39 % pro Kopf.

  • Sektor Wirtschaft: -29 % Emissionen.

  • Sektor Verkehr: -4 % Emissionen.

  • Zubau Solar 2023: Über 13 Megawatt installierte Leistung.