Trauer / Nachruf
Trauer um Pfarrer Andreas Mann: Wiesbadens Pionier der Notfallseelsorge verstorben
Er war zur Stelle, wenn das Schicksal am härtesten zuschlug: Pfarrer Andreas Mann, Gründervater der Notfallseelsorge in Wiesbaden und weit darüber hinaus, ist am 4. März im Alter von 67 Jahren verstorben. Er hinterlässt ein Erbe des Trostes und der Menschlichkeit, das die psychosoziale Notversorgung in ganz Hessen geprägt hat.
Foto: Martin Wildenhain
Die Evangelische Kirche und die Stadt Wiesbaden trauern um eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten im Dienst am Nächsten. Nach langer, schwerer Krankheit verstarb Andreas Mann am Mittwoch, 4. März. Der 67-Jährig gilt als der Architekt der „Seelsorge in Notfällen“ (SiN) in Deutschland und begleitete über drei Jahrzehnte hinweg Menschen in ihren dunkelsten Stunden – nach Unfällen, plötzlichen Todesfällen oder Katastrophen.
Vom Rettungssanitäter zum Seelsorge-Pionier
Die Idee für die Notfallseelsorge entstand Anfang der 1990er-Jahre aus der Praxis. Andreas Mann, damals Gemeindepfarrer in Wiesbaden-Dotzheim, war ehrenamtlich als Rettungssanitäter und Regionalpfarrer bei der Johanniter-Unfallhilfe in Wiesbaden im Einsatz. Dabei machte er immer wieder die Erfahrung, dass Medizin und Technik allein nicht ausreichen, wenn Angehörige oder Betroffene in emotionalen Ausnahmesituationen zurückbleiben.
Gemeinsam mit Weggefährten wie dem heutigen Präses Eberhard Busch und Detlef Nierenz entwickelte er ein System, das seelsorgliche Hilfe unmittelbar und verlässlich verfügbar machte. Am 1. Juni 1993 gründeten sie in Wiesbaden den Verein „Seelsorge in Notfällen (SiN)“ – den ersten seiner Art in ganz Hessen.
Ein Lebenswerk, das Schule machte
Was in Wiesbaden als Pionierprojekt begann, entwickelte sich unter Manns Führung zu einem Standard in der gesamten Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sowie den benachbarten Bistümern Mainz und Limburg. Heute stellen 27 Gruppen die psychosoziale Notfallversorgung sicher.
Andreas Mann war dabei nicht nur Organisator, sondern leidenschaftlicher Ausbilder. Bis ins Jahr 2023 leitete er Kurse, um Menschen – längst nicht mehr nur aus dem pfarrlichen Bereich – auf den schwierigen Dienst vorzubereiten. Dass die Einsatzzahlen in Wiesbaden von anfangs 30 auf heute über 200 jährlich stiegen, sah er als Zeichen für ein gewandeltes Bewusstsein: Seelische Erste Hilfe ist heute so selbstverständlich wie der Rettungswagen.
Höchste Anerkennung – Die Goldene Ehrennadel
Kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand wurde Mann am 20. Dezember 2023 eine besondere Ehre zuteil. In der Matthäuskirchengemeinde wurde ihm die Goldene Ehrennadel der Notfallseelsorge verliehen. Trotz seiner schweren Lungenerkrankung betonte er bei der Verleihung bescheiden: „Notfallseelsorge kann nicht nur von einer Person geleistet werden, es ist immer Teamarbeit.“
Der Wiesbadener war immer für die Menschen da, er hörte nicht nur zu und packte an, sondern half wo Hilfe notwendig war mit Herz, Einsatz und Gefühl. Der 67-Jährige fand die richtigen Worte ob als Pfarrer, als Freund oder Seelsorger.
Eine mahnende Stimme für das Wesentliche
„Wir verlieren einen hoch engagierten Seelsorger und Lobbyisten für die Notfallseelsorge“, würdigt der Wiesbadener Präses Eberhard Busch seinen langjährigen Mitstreiter. Oberkirchenrat Raimar Kremer bezeichnete ihn als die „verlässliche Stimme und oft auch mahnende Erinnerung an das Wesentliche“.
Wiesbaden verliert mit Andreas Mann einen Menschen, der dort hinging, wo andere wegschauten, und der durch sein Wirken sicherstellte, dass in der hessischen Landeshauptstadt niemand in der akuten Not allein gelassen wird. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.
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InfoBox
Das Lebenswerk die Seelsorge in Notfällen auf einen Blick:
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Gründung: 1993 Mitbegründer von „Seelsorge in Notfällen (SiN)“ in Wiesbaden.
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Wirkungskreis: Langjähriger Beauftragter der Landeskirche (EKHN) für Notfallseelsorge.
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Auszeichnung: Goldene Ehrennadel der Notfallseelsorge (Dezember 2023).
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Engagement: Ausbildung von über 30 Generationen an Notfallseelsorgern.


