Lebensvielfalt

Neues Fledermaus-Refugium „Petra“ stärkt Wiesbadens Artenvielfalt

Im Wiesbadener Kalkofen-Gebiet ist ein ungewöhnlicher Rückzugsort entstanden, der bedrohten Arten künftig wertvolle Dienste leisten könnte. Ein stillgelegter Tunnel wurde dafür auf besondere Weise umgestaltet und erste tierische Besucher haben bereits neugierig hineingeschnuppert. Das Projekt könnte über die Region hinaus Bedeutung haben.

Von: |Erschienen am: 5. März 2026 13:24|

Symbolfoto: Kristina Kuhfs

Im Kalkofen-Gebiet zwischen Südfriedhof, A66 und in Wiesbaden-Erbenheim ist ein neues Schutzprojekt für bedrohte Arten offiziell eingeweiht worden. Der Fledermaustunnel „Petra“, der bereits im November 2025 fertiggestellt wurde, wurde nun von Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Bündnis 90/Die Grünen) und Umweltamtsleiter Dr. Klaus Friedrich eröffnet.

Das ehemalige Verkehrs­bauwerk soll künftig als bedeutendes Winterquartier für verschiedene Fledermausarten dienen.

Ein Rückzugsort mit großer Bedeutung

Bürgermeisterin Hinninger hob bei der Eröffnung die Relevanz des Projekts hervor: „Der Fledermaustunnel ist eine von vielen Maßnahmen, die zur Erhaltung von Arten und Sicherung ihrer Lebensräume in Wiesbaden umgesetzt werden. Angesichts der globalen Biodiversitätskrise kommt der Schaffung von Rückzugsräumen eine zentrale Bedeutung zu.“

Der Kalkofen, ein früherer Steinbruch nördlich der Deponie, bietet bereits heute vielfältige Lebensräume und ist ein wichtiger Standort für zahlreiche Tierarten.

Ökologische Funktionen der Fledermäuse

Dr. Klaus Friedrich betonte die Rolle der Tiere im Naturhaushalt: „Mit dem neuen Quartier wird die ökologische Bedeutung des Gebietes weiter ausgebaut. Fledermäuse übernehmen im Naturhaushalt wichtige Funktionen. Sie verbreiten Pflanzensamen und als Insektenjäger verhindern sie die Massenvermehrung einzelner Fluginsekten und tragen so zur Stabilität ökologischer Gefüge bei.“

Gleichzeitig seien sie stark vom Verlust geeigneter Lebensräume betroffen, etwa durch das Entfernen alter Bäume oder Gebäudesanierungen.

Umbau eines stillgelegten Tunnels

Der 300 Meter lange und acht Meter hohe Tunnel zwischen dem ELW-Deponiegelände und dem Kalkofen wurde ursprünglich für den LKW-Verkehr gebaut, jedoch seit Jahren nicht mehr genutzt.

Der ehrenamtliche Fledermausexperte Olaf Godmann erkannte früh das Potenzial des Bauwerks: „Durch seine Lage und seine Größe kann sich der Tunnel zu einem der bedeutendsten Fledermaus-Winterquartiere in Hessen entwickeln.“

Neuer Fledermaustunnel wird angenommen

Für die neue Nutzung wurde der Tunnel an beiden Enden weitgehend verschlossen und im Inneren mit zahlreichen Hangmöglichkeiten ausgestattet. Dabei kamen überwiegend vorhandene und recycelte Materialien zum Einsatz.

Sensoren zur Messung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie ein Detektor zur Erfassung von Fledermausrufen ermöglichen ein kontinuierliches Monitoring. Erste Aufnahmen von Zwergfledermäusen zeigen, dass der neue Rückzugsort bereits angenommen wird.

Lokale Maßnahmen für globale Herausforderungen

„Der Verlust von Biodiversität ist ein globales Problem, das wir nicht alleine in Wiesbaden lösen können. Aber die vielen lokalen Maßnahmen an unterschiedlichen Orten können den Unterschied für die Biodiversität ausmachen“, sagte Hinninger abschließend.

Das Projekt Fledermaustunnel Petra im Kalkofen als Winterquartier für Fledermäuse reiht sich in eine Vielzahl kommunaler Initiativen ein, die den Schutz und die Förderung heimischer Arten zum Ziel haben.

Ausblick auf weitere Angebote

Vertiefende Informationen zur Artenvielfalt bietet das Programm der „Wiesbadener Wochen der biologischen Vielfalt“, die vom 18. Mai bis 14. Juni stattfinden. Weitere Hinweise und Termine werden auf www.wiesbaden.de veröffentlicht.

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