Soziale Infrastruktur

Wiesbaden startet Modellprojekt für Kinderbetreuung von HSK Mitarbeitern

In Wiesbaden-Dotzheim entsteht ein neues Betreuungsangebot, das gezielt auf die besonderen Arbeitszeiten im Gesundheitswesen zugeschnitten ist. Stadt, GWW und Helios HSK setzen damit auf ein Modell, das Wohnen, Arbeiten und Kinderbetreuung erstmals eng verzahnt. Das Projekt bietet Vorteile und könnte für viele Beschäftigte ein echter Durchbruch sein.

Von: |Erschienen am: 4. März 2026 12:52|

Foto: Stadt Wiesbaden

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt viele Eltern weiterhin vor große Herausforderungen. Besonders deutlich zeigt sich dies in Berufen mit Schichtdienst, unregelmäßigen Arbeitszeiten und sehr frühem Arbeitsbeginn.

Diese Rahmenbedingungen prägen zahlreiche Tätigkeiten an den Helios HSK Wiesbaden und führen für viele Familien zu erheblichem organisatorischem Aufwand.

Bedeutung verlässlicher Kinderbetreuung

Im Gesundheitswesen spielt eine stabile Kinderbetreuung eine zentrale Rolle. Sie erleichtert den Alltag, unterstützt die Rückkehr in den Beruf nach der Elternzeit und trägt dazu bei, qualifizierte Fachkräfte langfristig zu binden.

Vor diesem Hintergrund haben das Dezernat für Soziales, Bildung und Wohnen, das Dezernat für Integration und Recht, Gesundheit und Tierschutz sowie die Helios HSK gemeinsam geprüft, wie sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern lässt.

Modellprojekt in Dotzheim

Aus dieser Zusammenarbeit ist ein Modellprojekt zwischen der Landeshauptstadt Wiesbaden, der GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft mbH und den Helios HSK entstanden. Im neuen Wohnbauprojekt der GWW in Dotzheim, einem Standort mit vielen medizinischen und pflegerischen Einrichtungen, soll eine betriebliche Kindertagespflege eingerichtet werden.

Damit entsteht erstmals eine enge Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Kinderbetreuung in unmittelbarer Nähe eines großen Gesundheitsstandorts.

Geplante Betreuungsplätze

Die Stadt plant, in dem Neubau zwei Wohnungen anzumieten, in denen bis zu vier Tagespflegepersonen tätig sein können. Dadurch sollen bis zu 16 Betreuungsplätze direkt vor Ort entstehen. Ziel ist es, flexible Lösungen zu schaffen, die insbesondere auf Schichtdienste und frühe Arbeitszeiten reagieren, ohne den pädagogischen Anspruch der Kindertagespflege zu verändern.

So soll ein ausgewogenes Angebot entstehen, das sowohl den Bedürfnissen der Familien als auch den Anforderungen der medizinisch‑pflegerischen Berufe gerecht wird.

Stimmen aus Politik und Projektpartnern

Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD) betont: „Mit diesem Modellprojekt stärken wir die betriebliche Kindertagespflege als wichtigen Bestandteil unserer sozialen Infrastruktur. Wir schaffen ein wohnort- und arbeitsplatznahes Angebot, das auf konkrete Bedarfe reagiert und gleichzeitig Qualität und Verlässlichkeit in der Kinderbetreuung sichert. Damit investieren wir gezielt in Rahmenbedingungen, die Familien entlasten und unseren Gesundheits- und Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken.“

Auch für die GWW ist das Projekt ein wichtiger Baustein im Quartier. Geschäftsführer Thomas Keller erklärt: „Dieses Modellprojekt ist für uns ein neuer Ansatz, der unser Wohnbauvorhaben – das vorrangig für Mitarbeitende der umliegenden medizinischen Einrichtungen gedacht ist – inhaltlich erweitert und aufwertet.“

Verlässliche Betreuungsstrukturen

Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke (Die Linke)  hebt die Bedeutung für den Standort hervor: „Die Helios HSK sind ein zentraler Bestandteil unseres Gesundheitsstandorts und eine der größten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in Wiesbaden.

Gute Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen bedeuten heute mehr als moderne Technik, denn sie umfassen auch verlässliche Betreuungsstrukturen. Dieses Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur Attraktivität des Standorts.“

Weiterentwicklung bestehender Modelle

Bereits mit der betrieblichen Kindertagespflege „Raiffeisenzwerge“ in Kooperation mit der R+V wurde ein entsprechendes Modell in Wiesbaden etabliert.

Die neue Zusammenarbeit zwischen Helios HSK, GWW und der Landeshauptstadt überträgt diesen Ansatz nun auf einen weiteren großen Gesundheitsstandort und passt ihn gezielt an die Bedürfnisse medizinischer und pflegerischer Berufe an.

Fachliche Umsetzung und Austausch

Die fachliche Ausgestaltung übernimmt das Amt für Soziale Arbeit mit der Abteilung Kindertagesstätten und Kindertagespflege. In diesem Zusammenhang wurden Gespräche mit weiteren Einrichtungen geführt, die ähnliche Arbeitszeitmodelle haben, darunter das Zwerg Nase Zentrum, der Caritasverband Wiesbaden‑Rheingau‑Taunus e.V. und die Altenhilfe Wiesbaden GmbH. Ziel war es, Bedarfe zu prüfen und mögliche Perspektiven zu entwickeln.

Das neue Modellprojekt zur Kinderbetreuung Helios HSK entsteht in einer Phase, in der die Stadt die Kindertagespflege insgesamt weiter stärkt. Am Mittwoch findet im Rathaus das jährliche Austauschtreffen mit den Wiesbadener Kindertagespflegepersonen statt, bei dem aktuelle Entwicklungen und Bedarfe besprochen werden.

Signal für eine moderne soziale Infrastruktur

Mit dem neuen Betreuungsangebot setzt Wiesbaden ein deutliches Zeichen. Eine soziale Infrastruktur, die flexibel auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert, stärkt sowohl den Gesundheits- als auch den Wirtschaftsstandort und bietet Familien spürbare Entlastung.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!