Erinnerung

83 Jahre nach der Deportation: Wiesbaden gedenkt der ermordeten Sinti und Roma

Ein dunkles Kapitel der Wiesbadener Stadtgeschichte jährt sich am 8. März zum 83. Mal. Die Deportation der Wiesbadener Sinti nach Auschwitz-Birkenau. Mit einer Gedenkstunde im Rathaus setzen die Landeshauptstadt und der Landesverband der Sinti und Roma ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen und gegen den wachsenden Antiziganismus der Gegenwart.

Von: |Erschienen am: 1. März 2026 10:40|

Symbolfoto

Der 8. März 1943 markiert den Tag, an dem das Grauen für viele Wiesbadener Familien endgültig Form annahm. Unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden die Sinti der Stadt verschleppt und in die Vernichtungslager deportiert. Insgesamt fielen dem Völkermord in Europa rund 500.000 Sinti und Roma zum Opfer.

Anlässlich dieses Jahrestages laden Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Adam Strauß, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma (Landesverband Hessen), die Bürgerinnen und Bürger zu einer gemeinsamen Gedenkstunde ein.

Gedenken im Rathaus statt am Mahnmal

Traditionell findet das Gedenken am Mahnmal in der Bahnhofstraße statt. Da dieses jedoch aufgrund von Bauarbeiten derzeit eingelagert ist, wird die Veranstaltung in diesem Jahr in den festlichen Rahmen des Wiesbadener Rathauses (Schlossplatz 6) verlegt.

Gedenktag ist am Sonntag, 8. März, im Festsaal . Beginn ist um 16:30 Uhr.

„Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit“

Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen mahnt Adam Strauß zur Wachsamkeit. „Die aktuellen politischen Debatten erfüllen uns mit großer Sorge“, erklärt Strauß. Er betont, dass Sinti und Roma seit Jahrhunderten Teil der deutschen Gesellschaft sind, aber bis heute um Anerkennung kämpfen müssen. „Wir alle sind gefordert, die Demokratie entschlossen zu verteidigen.“

Auch OB Mende sieht das Gedenken als klaren Auftrag für das Hier und Jetzt: „Gerade in einer Zeit, in der Rassismus und Antiziganismus wieder so laut geäußert werden wie schon lange nicht mehr, stehen wir klar an der Seite der Betroffenen.“ In das Gedenken werden ausdrücklich auch andere verfolgte Minderheiten wie die Jenischen eingeschlossen.

Musikalischer Rahmen und Einladung

Die Gedenkstunde wird musikalisch durch das June Heilig Ensemble begleitet, das der Veranstaltung eine würdige Atmosphäre verleiht. Die Stadt Wiesbaden und der Landesverband rufen alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, durch ihre Teilnahme ein sichtbares Zeichen für Menschenwürde, Vielfalt und gegenseitigen Respekt zu setzen.

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