Polizeinsatz

Großrazzia gegen Sozialbetrug: Ermittler jagen Geldwäscher in Wiesbaden und Umgebung

Im Rahmen des zweiten landesweiten Aktionstags gegen Sozialkriminalität haben am Donnerstag über 600 Einsatzkräfte Wohnungen, Gastronomiebetriebe und Fahrzeuge kontrolliert. In Wiesbaden standen neun Objekte im Fokus – während auf der A671 ein Luxus-Mercedes samt Rolex-Uhr beschlagnahmt wurde.

Von: |Erschienen am: 27. Februar 2026 12:55|

Fotos: HLKA

Der Druck auf Betrüger und Geldwäscher wächst. Rund 650 Einsatzkräfte aus Polizei, Zoll, Financial Intelligence Unit (FIU), kommunalen Ordnungs- und Gewerbeämtern, Jobcentern sowie der Steuerfahndung haben am Donnerstag, 26. Februar, erneut hessenweit gegen Sozialkriminalität ermittelt. Der koordinierte Einsatz wurde vom Hessischen Landeskriminalamt (HLKA) geführt und umfasste Kontrollen in Wohn- und Geschäftsräumen, Betrieben sowie im Straßenverkehr.

Das Ziel: Kriminelle Strukturen zerschlagen und dem Sozialbetrug die finanzielle Grundlage entziehen.

Razzien in Wiesbaden

Auch in der Landeshauptstadt Wiesbaden lag ein Einsatzschwerpunkt. Die Einsatzkräfte durchsuchten neun Objekte im Stadtgebiet, führten Personenüberprüfungen durch und gingen Hinweisen auf mögliche Leistungsbetrugsfälle nach.

Gegen drei Personen erhärtete sich der Verdacht der Geldwäsche. In einem Wiesbadener Gastronomiebetrieb stießen die Fahnder auf Unregelmäßigkeiten. Der Fall wurde unmittelbar an das Wiesbadener Gewerbeamt übergeben. Der Betreiber muss in den nächsten Tagen mit tiefgreifenden Prüfungen durch das Ordnungsamt rechnen.

Luxus-Mercedes und Rolex auf der A671 beschlagnahmt

Ein spektakulärer Erfolg gelang den Beamten bei einer Verkehrskontrolle auf der Autobahn 671. In Höhe des Amöneburger Kreisels stoppte eine Streife der Wiesbadener Polizei einen hochwertigen Mercedes im Wert von rund 100.000 Euro. Bei der Durchsuchung des Wagens entdeckten die Einsatzkräfte 18.400 Euro Bargeld sowie eine Rolex-Armbanduhr im Wert von 19.000 Euro. Da der Fahrer widersprüchliche Angaben zur Herkunft der Güter machte und bereits wegen Geldwäsche im Visier der Fahnder stand, fackelten die Behörden nicht lange. Das Auto, das Geld und die Luxusuhr wurden zur Sicherung eingezogen. Den Fahrer erwartet nun ein Strafverfahren.

Massive Meldeverstöße – Das „Schatten-Haus“ von Fulda

Landesweit kontrollierten die Beamten 259 Objekte. Besonders krass war ein Fall in Fulda. In einem Wohnkomplex mit 41 Zimmern, der primär für ausländische Arbeitskräfte genutzt wird, herrschte pures Meldechaos. Während offiziell nur 87 Personen gemeldet waren, hielten sich dort tatsächlich 432 Menschen auf. Diese 345 Meldeverstöße werden nun auf möglichen Sozialleistungsbetrug geprüft.

Die Bilanz – Vermögenswerte von 610.000 Euro arrestiert

Der Aktionstag zeigt, dass Sozialkriminalität kein Kavaliersdelikt ist. Die landesweite Bilanz ist beeindruckend:

  • 1.465 Personen kontrolliert.

  • 83 Strafanzeigen und 185 Ordnungswidrigkeiten.

  • 30 vorläufige Festnahmen und 5 Vollstreckungen von Haftbefehlen.

  • 610.000 Euro an Vermögenswerten (Luxusautos, Bargeld, Uhren) sichergestellt.

HLKA-Präsident Daniel Muth betonte: „Wir müssen den Geldflüssen folgen und deliktisch erlangte Vermögenswerte konsequent abschöpfen. Wer staatliche Leistungen erschleicht, schädigt die Allgemeinheit und untergräbt das Vertrauen in unser Sozialsystem.“

Was ist Sozialkriminalität?

Unter diesen Begriff fällt weit mehr als nur der klassische „Sozialbetrug“. Die Behörden prüfen bei solchen Aktionstagen gezielt auf:

  • Erschleichen von Leistungen und Doppelleistungen.

  • Dokumenten- und Identitätsmissbrauch.

  • Schwarzarbeit bei gleichzeitigem Leistungsbezug.

  • Gewerbeverstöße in Barbershops, Nagelstudios und Spielotheken.

Nach diesem zweiten erfolgreichen Aktionstag (der erste fand im Dezember 2025 statt) kündigten die Behörden an, den Kontrolldruck in Wiesbaden und ganz Hessen weiterhin hochzuhalten.

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