Stadtentwicklung
Absichtserklärung zum Konzept Quartiershäuser unterzeichnet
Wiesbaden wagt einen ungewöhnlich Schritt: In mehreren Stadtteilen soll ein neues Zusammenspiel aus Wohnen, Unterstützung und sozialer Präsenz entstehen. Was heute als Absichtserklärung beginnt, könnte das Leben im Quartier spürbar verändern. Welche Partner dahinterstehen und warum das Modell weit über einzelne Projekte hinausreicht, zeigt ein Blick auf die ersten Pilotstandorte.
Fotos: Stadt Wiesbaden
Die Stadt Wiesbaden und vier Wohnungsbaugesellschaften haben eine Absichtserklärung zur Einführung des Konzepts „Quartiershäuser“ unterzeichnet.
Ziel des Modells ist es, Wohnen, Pflege, Beratung und soziale Unterstützung im direkten Lebensumfeld der Menschen enger miteinander zu verzahnen und damit ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen.
Hintergrund und Entwicklung des Konzepts
Der Stadtverordnetenbeschluss aus dem Mai 2023 gab den Anstoß, ein quartiersbezogenes Modell zu entwickeln, das auf die demografischen Veränderungen in Wiesbaden reagiert. Anders als in vielen anderen Kommunen ging die Initiative bewusst von der Stadt aus.
In den vergangenen zwei Jahren wurden gemeinsam mit Wohnungsbaugesellschaften, sozialen Trägern und Pflegediensten Bedarfe ermittelt, Standorte geprüft und ein Konzept erarbeitet, das sich am Bielefelder Modell orientiert. Dieses steht für Wohnen mit Versorgungssicherheit im Quartier, ohne verpflichtende Zusatzkosten für Pflegeinfrastruktur.
Pilotstandorte in vier Stadtteilen
Die Umsetzung beginnt an vier Standorten: Gräselberg, Schelmengraben, Rheingauviertel/Dichterviertel und Klarenthal Nord. Dort sollen vorhandene Ressourcen gestärkt, Kooperationen aufgebaut und Angebote wie Pflege, soziale Beratung und nachbarschaftliche Unterstützung besser miteinander abgestimmt werden.
Die Wohnungsbaugesellschaften stellen dafür unter anderem Gebäude bereit, investieren in Barrierefreiheit oder schaffen Räume für soziale und pflegerische Dienste.
Engagement der Wohnungsunternehmen
Besonders im Schelmengraben übernimmt die GWH eine zentrale Rolle. Michael Back, Geschäftsstellenleiter Immobilienmanagement, erklärt:
„Die GWH verfolgt in ihren Quartieren schon seit vielen Jahren das Ziel, gemeinsam mit Kooperationspartnern verlässliche, wohnortnahe Angebote zu schaffen, um unseren älteren Mieterinnen und Mietern einen langen Verbleib in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. “
#Quartiershäuser
„Die Initiative der Landeshauptstadt Wiesbaden, die Landschaft integrierter Wohn-, Gesundheits- und Teilhabeangebote speziell für die ältere Bewohnerschaft im Schelmengraben auszubauen und mit dem Projekt #Quartiershäuser in den politischen Fokus zu rücken, begrüßen wir als größter Wohnungsgeber im Quartier deshalb sehr und sehen uns in unserer Strategie bestätigt.
Wir beteiligen uns deshalb gerne mit einer zugesagten Summe von rund 175.000 Euro, die aus den Mieterträgen unseres Unternehmens zurück ins Quartier Schelmengraben fließen, und bringen daneben selbstverständlich unsere Erfahrung und Expertise ein,“ erklärt Back weiter.
SEG unterstützt Modell
Auch die SEG unterstützt das Vorhaben. Geschäftsführerin Prof. Dr. Ute Knippenberger betont: „Das Konzept der Quartiershäuser ist ein wichtiger Baustein zur Stärkung nachhaltiger, integrierter Wohn- und Versorgungsstrukturen in Wiesbaden.
Die SEG unterstützt dieses Modell und dessen Umsetzung ausdrücklich und beteiligt sich daher gerne an der Unterzeichnung der Absichtserklärung. Als finanzierende Partnerin leisten wir hierzu einen wichtigen Beitrag und engagieren uns aktiv im Schelmengraben.“
Weiterentwicklung im Dichterviertel
Im Rheingauviertel/Dichterviertel wird ein Bestandsgebäude in der Wolfram-von-Eschenbach-Straße zum Quartiershaus umgestaltet und bereits am 10. April eröffnet. Thomas Keller, Geschäftsführer der GWW, sagt:
„Mit der Umnutzung unseres Bestandsgebäudes zum #Quartiershaus übernehmen wir als Vermieter Verantwortung und schaffen sozialen Mehrwert im Quartier. Es ist mehr als eine Immobilie – es ist ein aktiver Beitrag zu mehr Lebensqualität, Zusammenhalt und einer zukunftsfähigen Quartiersentwicklung.“
Strukturen und Zuständigkeiten
Für alle vier Pilotstandorte werden gesonderte Kooperationsvereinbarungen erarbeitet, die Aufgaben, Zuständigkeiten, Ressourcen und den dreijährigen Umsetzungszeitraum festlegen.
Die Gesamtkoordination übernimmt die Abteilung Grundsatz und Planung des Amtes für Soziale Arbeit.
Bedeutung für die Stadt
Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD) unterstreicht die strategische Dimension des Projekts: „Die Quartiershäuser sind kein Zusatzprojekt, sondern eine strukturelle Entscheidung für unsere Stadt. Wir organisieren soziale Infrastruktur dort neu, wo Menschen leben. Das bedeutet: verbindliche Kooperation statt Einzelmaßnahmen, klare Zuständigkeiten statt paralleler Angebote und verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im Quartier.
Dass die Wohnungsbaugesellschaften und die beteiligten sozialen wie auch Pflegedienste diesen Weg mitgehen und eigene Ressourcen einbringen, ist keine Selbstverständlichkeit. Nur wenn Stadt, Wohnungsunternehmen und soziale Dienste gemeinsam Verantwortung übernehmen, kann es gelingen, selbstbestimmtes Wohnen auch bei Unterstützungsbedarf dauerhaft zu sichern.“
Fachliche Perspektive
Dr. Volker Cihlar, Leiter der Abteilung Altenarbeit, ergänzt: „Der Quartiersgedanke bietet den Bürgerinnen und Bürgern Wiesbadens die Chance, im gewohnten Umfeld alt zu werden und gleichzeitig die notwendige soziale und Unterstützung im Bereich Pflege vor Ort zu erhalten. So kann dieser Wunsch für mehr Menschen Realität werden.“
Ausblick auf die Pilotphase
Während der dreijährigen Pilotphase tauschen die beteiligten Partner ihre Erfahrungen in gemeinsamen Arbeitsformaten aus und entwickeln das Modell zum Wohnen weiter. Die Ergebnisse der Evaluation sollen darüber entscheiden, ob das Konzept verstetigt und auf die Quartiersentwicklung weiterer Stadtteile ausgeweitet wird.
Weitere Informationen stehen auf `www.wiesbaden.de/leben-in-wiesbaden/gesellschaft-soziales/sozialplanung/quartiershaeuser` zur Verfügung.
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