Zahlen & Fakten
Wiesbaden vor den Kommunalwahlen: Strukturdaten zeigen deutliche Unterschiede zwischen Stadtteilen, Alters- und Wählergruppen
Wiesbaden bereitet sich auf den Super-Wahlsonntag vor: Am 15. März sind über 200.000 Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, die Stadtverordnetenversammlung, die Ortsbeiräte und den Ausländerbeirat neu zu wählen. Ein aktueller Bericht des Amtes für Statistik und Stadtforschung liefert nun spannende Einblicke in die Wählerstruktur – von Rekordzuwächsen in Nordenstadt bis hin zu deutlichen Differenzen beim Frauenanteil. Zudem zeigen wir ihnen wie die Stimmzettel aussehen.
Symbolfoto
Wenn Mitte März die Wahllokale in der hessischen Landeshauptstadt öffnen, geht es um die politische Weichenstellung für die kommenden Jahre. Die jetzt veröffentlichten Strukturdaten zeigen ein detailliertes Bild der 209.014 Wahlberechtigten für die Stadtverordneten- und Ortsbeiratswahlen sowie der 64.410 Stimmberechtigten für den Ausländerbeirat in Wiesbaden.
Wählerstruktur – Erfahrenes Alter trifft auf junge Impulse
Das Durchschnittsalter der Wahlberechtigten für die Stadtverordnetenversammlung in Wiesbaden liegt stabil bei 51 Jahren. Besonders stark ist die Altersgruppe der 44- bis 59-Jährigen vertreten. Ein Blick auf die Stadtteile zeigt jedoch deutliche Unterschiede:
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Die jüngsten Stimmberechtigten leben im Westend (43,1 Jahre) und in Wiesbaden-Mitte (44,6 Jahre).
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Den Altersrekord hält Heßloch mit einem Durchschnitt von 58,1 Jahren.
Deutlich verjüngt zeigt sich die Wählerschaft des Ausländerbeirats mit einem Durchschnittsalter von nur 44,8 Jahren, wobei hier die 25- bis 44-Jährigen den Ton angeben.
Wachstums-Champion Nordenstadt
Während die Gesamtzahl der Wahlberechtigten zur Stadtverordnetenversammlung im Vergleich zu 2021 leicht um 0,8 % gesunken ist, gibt es einen klaren Ausreißer nach oben: In Nordenstadt stieg die Zahl der Wahlberechtigten massiv um 10,2 %. Noch deutlicher wird der Zuwachs bei der Ausländerbeiratswahl, wo Nordenstadt ein Plus von 63,3 % verzeichnet. Im Gegensatz dazu schrumpfte die Wählerbasis im Westend/Bleichstraße um 5,3 %.
Gender-Gap auf den Wahllisten
Ein kritischer Blick fällt auf die Geschlechterverteilung. Obwohl Frauen mit 52 % die Mehrheit der Wahlberechtigten stellen, spiegelt sich dies nicht auf den Stimmzetteln wider. Bei der Stadtverordneten- und den Ortsbeiratswahlen liegt der Anteil der Kandidatinnen jeweils unter 40 %.
Spitzenreiter beim Frauenanteil unter den Kandidierenden ist Auringen mit 48,3 %.
Schlusslichter sind Nordenstadt (19,6 %) und Erbenheim (25,0 %).
Einzig bei der Ausländerbeiratswahl ist das Verhältnis mit 46,2 % Kandidatinnen nahezu proportional zur Wählerschaft.
Wer wählt in Wiesbaden?
Die Verbundenheit mit der Stadt ist hoch: Über 63 % der Wahlberechtigten zur Stadtverordnetenversammlung leben bereits seit mindestens zehn Jahren in Wiesbaden. Besonders hoch ist dieser Wert in Klarenthal (73,8 %) und Breckenheim (75,1 %), während in der Innenstadt (Mitte: 50,0 %) eine höhere Fluktuation herrscht.
Ausländerbeirat – 64.410 Wahlberechtigte – deutlich jünger
Für die Wahl des Ausländerbeirats sind 64.410 Menschen wahlberechtigt – ein Plus von 17,3 % seit 2021. Bei der Ausländerbeiratswahl ist die Zahl der Wahlberechtigten deutlich gestiegen (17,3 %).
Die Wählerschaft ist deutlich jünger:
- Durchschnittsalter: 44,8 Jahre
- Besonders stark: 25–34 und 35–44 Jahre
Extremwerte:
- Nordenstadt: +63,3 % Wahlberechtigte
- Amöneburg: –1,9 %
Wohndauer – Viele langjährige Wiesbadener – aber starke Unterschiede
Die Wohndauer zeigt, wie verwurzelt die Bevölkerung in den Stadtteilen ist.
Höchste Anteile Wohndauer ≥ 10 Jahre (2026)
- Heßloch: 65,6 %
- Kloppenheim: 73,1 %
- Auringen: 79,3 %
Niedrigste Anteile
- Mitte: 50,0 %
- Westend/Bleichstraße: 50,2 %
Soziale Lage – Kaufkraft, Arbeitslosigkeit und SGB-II-Bezug im Vergleich
Die Strukturdaten zeigen deutliche soziale Unterschiede zwischen den Ortsbezirken.
Kaufkraft pro Einwohner
- Höchste Kaufkraft: Sonnenberg – 42.177 €
- Niedrigste Kaufkraft: Amöneburg – 27.095 €
- Wiesbaden gesamt: 32.375 €
Arbeitslosenquote
- Niedrigste Quote: Breckenheim – 2,8 %
- Höchste Quote: Westend/Bleichstraße – 12,3 %
- Wiesbaden gesamt: 8 %
SGB-II-Bezug (Bürgergeld)
- Niedrigster Anteil: Heßloch – 1,2 %
- Höchster Anteil: Westend/Bleichstraße – 14,7 %
- Wiesbaden gesamt: 9 %
Haushalte mit Kindern – Nordenstadt und Klarenthal vorne
Der Anteil der Haushalte mit Kindern variiert stark:
- Höchster Anteil: Nordenstadt – 24,9 %
- Niedrigster Anteil: Mitte – 13,2 %
- Wiesbaden gesamt: 19,3 %
Rückblick – Wahlergebnisse von 2021
Die Statistik liefert auch einen historischen Überblick über die Stadtverordnetenwahlen.
Beispiel 2021:
- CDU: 23,5 %
- SPD: 20,3 %
- GRÜNE: 21,4 %
- FDP: 10,4 %
- DIE LINKE: 6,2 %
- AfD: 6,5 %
- Volt: 3,8 %
Was die Daten für die Wahl 2026 bedeuten
Die Strukturdaten zeigen:
- Wiesbaden ist sozial und demografisch stark divers.
- Junge, mobile Stadtteile wie Mitte und Westend unterscheiden sich stark von ländlich geprägten Bezirken wie Heßloch oder Frauenstein.
- Die Wahlbeteiligung könnte – wie in früheren Jahren – stark zwischen den Bezirken schwanken.
- Der Ausländerbeirat gewinnt an Bedeutung durch stark steigende Wahlberechtigtenzahlen.
Musterstimmzettel und Infos
Um den Bürgern die Stimmabgabe – insbesondere das Kumulieren und Panaschieren – zu erleichtern, stellt das Amt für Statistik Musterstimmzettel und interaktive Hilfen online zur Verfügung.


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