Sanierung / Fotostrecke

Von der kaputten Heizung zum energetischen Vorbild: Das neue Vereinshaus Breckenheim ist eröffnet

Mit einer kleinen Feierstunde ist am Mittwoch, 25. Februar, die umfassend energetische Sanierung des Vereinshauses Breckenheim offiziell abgeschlossen worden. Das Gebäude aus den 1970er Jahren wurde in den vergangenen Monaten grundlegend modernisiert und gilt nun als beispielhaftes Projekt für nachhaltige kommunale Gebäudesanierung.

Von: |Erschienen am: 25. Februar 2026 15:06|

Fotos: Daniel Becker

Es ist eine Geschichte von der Chance im Unglück. Was als technischer Notfall begann, endet in einer baulichen Revolution für den Wiesbadener Vorort. Als im Jahr 2022 die Heizungsanlage im Vereinshaus Breckenheim endgültig den Geist aufgab, schien zunächst nur eine schnelle Reparatur nötig. Doch das Hochbau- und das Hauptamt der Stadt Wiesbaden entschieden sich gegen eine kurzfristige Flickschusterei. Nach einer strategischen Überlegung stand fest, den Heizungstausch zur umfangreichen energetischen Sanierung des in den 1970er Jahren gebauten Bürgerhauses in der Lärchenstraße  Ecke Pfingstbornstraße zu nutzen. Eingebaut wurde eine Hybridheizung, bestehend aus einer Wärmepumpe samt gasbasiertem Spitzenlastkessel. Zudem wurde das Gebäude mit Wärmedämmung und neuen Fenstern versehen und eine Photovoltaik-Anlage installiert.

Die kaputte Heizung als Startschuss zur Sanierung

Am Mittwochmittag, 25. Februar, setzte Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) gemeinsam mit Baudezernent der Stadt Andreas Kowol (Grüne) den Schlusspunkt unter ein Projekt, das innerhalb der Stadtverwaltung als Paradebeispiel für nachhaltiges Handeln gilt.

Christian Lahr, Leiter des zuständigen Amtes, blickt auf die Entscheidung zurück: „Ein einfacher 1:1-Austausch der Gasheizung kam für uns trotz des Zeitdrucks nicht in Betracht. Wir haben die kaputte Heizung als historischen Startschuss genutzt, um das gesamte Gebäude energetisch auf ein neues Level zu heben. Aus einem Sanierungsfall der 1970er Jahre haben wir ein echtes Vorzeigeobjekt gemacht.“

Hightech an der Fassade – Ein Novum in Wiesbaden

Da das Dach des Gebäudes statisch keine herkömmliche Photovoltaik-Anlage tragen konnte, bewiesen die Planer Kreativität. Statt auf das Dach wanderten die Solarzellen direkt an die Fassade – ein architektonisches und technisches Novum für öffentliche Gebäude in Wiesbaden.

Die technischen Highlights im Überblick:

  • Innovatives Heizsystem: Eine Hybridheizung aus Wärmepumpe und Gas-Spitzenlastkessel sorgt nun für effiziente Wärme.

  • PV-Fassade: Die dunklen Solar-Module an der Außenwand vermeiden künftig über 5.100 kg CO₂ pro Jahr und decken rund 35 Prozent des Eigenbedarfs.

  • Komplett-Dämmung: Neue Isolierverglasung sowie eine moderne Dach- und Fassadendämmung machen das Gebäude fit für die kommenden Jahrzehnte.

„Es war eine gute Entscheidung, aus Platzgründen statt des Daches die Fassade mit dunklen Photovoltaikelementen auszuführen. Es zeigt, dass sich Ästhetik von Architektur und Technik sehr wohl vereinbaren lassen. Dieses Projekt ist ein großartiges Beispiel für nachhaltige Entwicklungen in Breckenheim und wird auch als solches positiv wahrgenommen“, sagt Baudezernent Kowol.

Ein „Leuchtturm“ für das Ehrenamt und die Sicherheit

Dass aus den ursprünglich geplanten 800.000 Euro am Ende 1,4 Millionen Euro wurden, liegt auch an der innovativen Fassadenlösung und gestiegenen Baukosten. Dank eines Zuschusses von 450.000 Euro aus dem städtischen Klimabudget konnte die Finanzierung jedoch gesichert werden. Die Stadt rechnet damit, dass die Anlage durch die Stromproduktion (Deckung des Eigenbedarfs zu ca. 35 %) in den kommenden Jahrzehnten sogar einen wirtschaftlichen Überschuss erwirtschaftet.

Mit dieser Investition wurde nicht nur ein Herzstück des Breckenheimer Vereinslebens gesichert, sondern auch der Umwelt – und damit für uns alle – etwas bedeutende geschaffen.

Das Projekt in Breckenheim beweist, wie effizient die öffentliche Hand agieren kann, wenn sie Krisen (wie eine defekte Heizung) als Chance für den Klimaschutz begreift. Das Gebäude ist nun weit mehr als ein schmuckloser Zweckbau der 70er Jahre – es ist ein moderner Treffpunkt, der ökologisch und ökonomisch Maßstäbe setzt.

Besonderer Einsatz und Zerreißprobe für die Vereine

Breckenheims Ortsversteher Manuel Köhler (CDU) fand bei der feierlichen Wiedereröffnung des Vereinshauses deutliche Worte der Anerkennung, aber auch der Erleichterung. In seiner Ansprache betonte er, „dass das Gebäude nun endlich den zeitgemäßen Standards in Sachen Klimaschutz und Ressourcenschonung entspreche. Besonders die innovative Photovoltaik-Fassade mache Breckenheim zu einem Vorreiter innerhalb Wiesbadens.

Ein besonderes Anliegen war Köhler der Dank an die Helfer. Er hob hervor, „dass der stellvertretende Wehrführer Thorsten Grüner während der gesamten Bauphase quasi als ‚ehrenamtlicher Bauleiter‘ fungiert habe. Grüner war täglich vor Ort, um die Abstimmungen zwischen Architekten, Ämtern und der Feuerwehr zu koordinieren – ein Einsatz, ohne den das Projekt kaum so reibungslos verlaufen wäre.“

Allerdings verschwieg der Ortsversteher auch die Schattenseiten der langen Sanierungsphase nicht. „Aus den ursprünglich geplanten zwei Monaten Schließzeit wurden letztlich elf Monate, was das Breckenheimer Vereinsleben vor eine Zerreißprobe stellte. Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden, da adäquate Ersatzräumlichkeiten im Ort fehlten.“ Köhler bedankte sich in diesem Zuge ausdrücklich bei der evangelischen Kirchengemeinde, die mit ihrem Gemeindehaus kurzfristig als Ausweichquartier eingesprungen war.

Ein wichtiger Teil des kulturelle Legens in Breckenheim

Dass das Haus bereits wieder „lebt“, belegte Köhler mit dem erfolgreichen Neustart durch das traditionelle CDU-Grünkohlessen mit rund 200 Gästen. Auch der Blick in die Zukunft ist vielversprechend: „Mit dem Auftritt von Ray Wilson (schottischer Rocksänger der ein Teil von Genesis war) am 12. März steht bereits ein kulturelles Highlight vor der Tür. Zudem wird das Vereinshaus in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle als Ausweichquartier einnehmen, wenn andere Sanierungsprojekte im Ort – wie an der Sporthalle oder dem Gemeindehaus – anstehen.“

Abschließend richtete Köhler jedoch auch eine klare Forderung an die Stadtspitze:  „Die prekäre Parkplatzsituation rund um das Gebäude müsse dringend gelöst werden. Da der Straßenraum oft für die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr freigehalten werden müsse, sei der Parkdruck bei großen Veranstaltungen enorm. Hier erwarte der Ortsbeirat zeitnah tragfähige Konzepte von der Stadtverwaltung.“

Ein starkes Signal für das Ehrenamt

Für OB Mende ist das sanierte Haus mehr als nur eine technische Meisterleistung. Es ist ein Versprechen an die Bürger: „Wir erhalten unsere Bürgerhäuser konsequent. Das ist ein Zeichen der Wertschätzung für das Ehrenamt, das in Wiesbaden durch die kostenlose Nutzung dieser Räume gefördert wird.“

Das Gebäude dient nicht nur als Mittelpunkt des Vereinslebens, sondern beherbergt auch das Feuerwehrgerätehaus, das künftig als „Leuchtturmprojekt“ mit autarker Notstromversorgung eine zentrale Rolle im Katastrophenschutz einnimmt.

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Fotostrecke zu der Feierlichen Eröffnung am Mittwoch