URBANE VISION

Wiesbaden plant den großen Wurf: Ein Kulturcampus als kreativer Gamechanger

Wer von Süden nach Wiesbaden einfährt, blickt derzeit noch auf einen Abschnitt wo triste Zweckbauten das Bild prägen. Doch geht es nach den Initiatoren eines ehrgeizigen Konzepts, könnte sich das bald radikal ändern. Zwischen dem Schlachthof und der Mainzer Straße, soll in einigen Jahren ein architektonisches Ausrufezeichen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es geht um ein mutiges Experiment, das eine Lücke schließt und eine Szene auf völlig neues Fundament stellt. Kann die gewagte Mischung aus kommerziellem Turmbau und rauer Subkultur funktionieren? Ein Blick auf ein spannendes Projekt.

Von: |Erschienen am: 23. Februar 2026 11:55|

Fotos: 3deluxe

Unter dem Namen „KULTurCAMPus“ formt sich die Idee eines Quartiers, das die Grenzen zwischen Kreativszene und Wirtschaftswelt auflöst.

Ein Hybrid aus Kreativität und Business

Der Grundgedanke bricht mit alten Traditionen: Hier entsteht kein reines Büroviertel und auch kein isoliertes Kulturzentrum. Vielmehr ist es ein urbanes Nutzungshybrid.

Auf einer Fläche von etwa 18.000 Quadratmetern werden Arbeitswelten, Freizeitangebote und soziale Treffpunkte so eng miteinander verzahnt, dass sie sich gegenseitig stützen.

Überlebenshilfe für die Subkultur

Der Anstoß für das Projekt kam nicht aus den Amtsstuben, sondern direkt von der Basis. Akteure wie der Schlachthof, die Kreativfabrik oder das Kontext sind seit Jahrzehnten die kulturelle Lunge Wiesbadens.

Doch ihre Heimat ist bedroht: Baufällige Hallen und befristete Verträge erschweren die Planung. Der Campus soll diesen Institutionen endlich ein dauerhaftes und modernes Fundament bieten, ohne ihren rauen Charme zu ersticken.

Ein Design für die Zukunft

Das Wiesbadener Büro 3deluxe hat eine Vision entworfen, die der Stadt ein völlig neues Gesicht verleiht. Der Entwurf setzt auf Kontraste:

  • Nachhaltige Landmarke: Ein imposanter Turm in Holz-Hybrid-Bauweise markiert den Eingang an der Mainzer Straße. Er kombiniert ökologische Standards wie Fassadenbegrünung mit modernsten Büros.
  • Industrieller Spirit: Im hinteren Bereich bleibt es authentisch. Die Neubauten für die Kulturszene orientieren sich an einer funktionalen, wandelbaren Architektur, die Raum für Experimente lässt.
  • Die schwebende Piazza: Eine erhöhte Ebene verbindet die unterschiedlichen Trakte und schafft eine Bühne für das öffentliche Leben – ein Platz für alle Bürger.

Magnete für Besucher und Anwohner

Das inhaltliche Konzept bietet Highlights, die man eher in Berlin oder London vermuten würde:

  • Ein nationales Zentrum für Hip-Hop-Kultur (Museum).
  • Eine hochmoderne Halle für Skate-Artistik.
  • Ein Themen-Hotel, das speziell auf die Bedürfnisse von Tourneemusikern und Konzertfans zugeschnitten ist.
  • Ein neuer Konzertsaal, der mit einer Kapazität von 800 Plätzen genau die Lücke im bisherigen Stadtangebot schließt.

Synergie statt Subvention

Da sich das Projekt noch in einer konzeptionellen und experimentellen Entwicklungsphase befindet, existiert derzeit keine endgültig beschlossene Gesamtfinanzierung. Vielmehr wird ein schrittweise wachsendes Förder- und Investitionsmodell für die geschätzten Kosten von 90 Millionen Euro aufgebaut. Ein Finanzierungkonzept wurde noch nicht veröffentlicht.

Aber es ist davon auszugehen, dass der Kulturcampus Wiesbaden nicht ausschließlich durch die Stadt finanziert werden soll, sondern über ein hybrides Modell, das verschiedene Finanzierungsquellen kombiniert. Eine Mischung aus Landesfördermitteln, kommunalen Investitionsmitteln sowie weiteren öffentlichen Förderprogrammen, die ergänzend werden durch die Einbidung von private beziehungsweise institutionelle Partnern, insbesondere für Teilnutzungen wie Büro-, Hotel- oder Gewerbeflächen.

Ein offenes Mitmach-Projekt

Der Weg zum fertigen Campus ist kein geschlossener Prozess. Die Initiatoren legen Wert auf Beteiligung. In Workshops und Diskussionsrunden können sich Wiesbadener direkt einbringen.

So wird Stadtplanung zu einem demokratischen Erlebnis, bei dem die künftigen Nutzer selbst mitbestimmen, wie ihr Viertel aussehen soll.

Wann geht es los?

Nach einer Phase des Stillstands herrscht nun Aufbruchstimmung in Bezug auf das neue Kreativquartier. Die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) und die Politik haben das Potenzial eines KULTurCAMPus für Wiesbaden erkannt. Auch wenn bis zur Realisierung wohl noch Jahre vergehen werden, ist der Grundstein im Köpfen bereits gelegt.

Wiesbaden schickt sich an, mit diesem von 3deluxe geplanten Projekt zu beweisen, dass Tradition, Subkultur und progressive Stadtentwicklung kein Widerspruch sein müssen.

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