Stadtblick
Stadtbild top, Nachtleben flop: Studenten bewerten Wiesbaden
Wie attraktiv ist Wiesbaden wirklich für junge Menschen? Eine jetzt veröffentlichte neue Stadtanalyse legt offen, was Studenten an der Landeshauptstadt schätzen und wo sie sich deutlich mehr erwarten. Zwischen schönen Parks, hohen Mieten und ernüchternden Ausgehmöglichkeiten entsteht ein Bild, das Fragen nach der Zukunft der Studentenstadt aufwirft.
Symbolfoto
Das Amt für Statistik und Stadtforschung hat erstmals alle Wiesbadener Hochschulen in eine gemeinsame Befragung zur Attraktivität der Stadt für Studenten einbezogen. Die Ergebnisse sind nun in der Stadtanalyse „Wiesbaden – (k)ein Ort für Studierende?“ veröffentlicht.
Laut Dezernentin Maral Koohestanian (Volt) fühlt sich „die überwiegende Mehrheit der Studierenden in Wiesbaden wohl hier, schätzt das schöne Stadtbild und die vielen Park und Grünanlagen“. Gleichzeitig zeige die Befragung deutliche Kritikpunkte.
Gemischte Zufriedenheit
Die Online-Erhebung entstand in Kooperation mit dem Netzwerk der Wissenschaften. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) verweist auf die Entwicklung der vergangenen Jahre:
„Wiesbaden ist keine klassische ‚Studierendenstadt‘, nichtsdestotrotz ist die Hochschullandschaft in der Landeshauptstadt innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte auf mittlerweile knapp 14.000 Studierende gewachsen.“ Trotz dieser Dynamik bewerten viele junge Menschen das Studenenleben nur mittelmäßig.
Wohnsituation als zentrale Belastung
Ein Schwerpunkt der Analyse liegt auf der Wohnsituation. Viele Studenten pendeln, statt in Wiesbaden zu wohnen. Wer sich für die Stadt entscheidet, tut dies meist wegen der Nähe zur Hochschule und weniger wegen Freizeitangeboten oder städtischem Flair.
Die häufigste Wohnform ist die Wohngemeinschaft, obwohl viele sich eine eigene Wohnung wünschen. Ein großer Teil der Befragten gibt mehr als ein Drittel des monatlichen Budgets für Miete aus, bei knapp 30 Prozent sind es sogar über 50 Prozent. Nur 14 Prozent empfinden keine Belastung durch Wohnkosten.

Parks beliebt, Nachtleben enttäuscht
In puncto Freizeit schneidet Wiesbaden unterschiedlich ab. Die Parks und Grünanlagen sowie städtische Feste werden positiv bewertet. Koohestanian betont zudem: „Die Landeshauptstadt wird von ihnen überwiegend als weltoffene Stadt wahrgenommen.“
Gleichzeitig zeigt die Analyse deutliche Defizite: Ausgehmöglichkeiten, Nachtleben und bezahlbare Freizeitangebote werden kritisch gesehen. Auch der ÖPNV, das wichtigste Verkehrsmittel der Studierenden, erhält nur mäßige Bewertungen.

Bleiben oder gehen?
Die beruflichen Perspektiven in der Region werden überwiegend positiv eingeschätzt. Dennoch plant nur ein Fünftel der vor Ort lebenden Studenten, nach dem Abschluss in Wiesbaden zu bleiben.
Rund ein Drittel macht dies von Jobangeboten und Wohnmöglichkeiten abhängig. 41 Prozent möchten die Stadt nach dem Studium sicher verlassen. Gründe sind vor allem mangelnde Attraktivität für junge Menschen, hohe Lebenshaltungskosten und die Verkehrssituation.
Ausblick und weitere Schritte
Die Ergebnisse der Stadtanalyse wurden bereits intern und mit dem Netzwerk der Wissenschaften diskutiert. Darauf basierend sollen nun Maßnahmen entwickelt werden, um Wiesbaden für Studenten und junge Menschen attraktiver zu machen. Die Hochschulbeauftragte der Stadt wird die Gespräche mit Fachbereichen und Partnern fortführen.
Die vollständige Stadtanalyse „Wiesbaden – (k)ein Ort für Studierende?“ steht kostenfrei auf www.wiesbaden.de/statistik und www.wiesbaden.de/stadtforschung zur Verfügung. Für Rückfragen ist das Amt für Statistik und Stadtforschung telefonisch oder per E-Mail erreichbar.
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!


