Familienhilfe

Neue Elternbildungsmodelle sollen Wiesbadens Kitas stärken

Wie erreicht man Familien, die Unterstützung besonders dringend brauchen? Wiesbaden setzt auf neue Wege in der Elternbildung, direkt in den Kitas, nah am Alltag und mit spürbaren Effekten für Kinder und Eltern. Die Stadt plant bereits den nächsten Schritt.

Von: |Erschienen am: 12. Februar 2026 12:25|

Symbolfoto: Canva

Seit zwei Jahren setzt Wiesbaden an mehreren Kindertagesstätten spezielle Elternbildungsangebote um. Im Mittelpunkt stehen Stadtteile, in denen viele Familien besonderen Unterstützungsbedarf haben oder in denen es keine direkte Anbindung an Kinder-Eltern-Zentren gibt.

Die Programme sollen Eltern frühzeitig erreichen und die Zusammenarbeit zwischen Familien und pädagogischen Fachkräften festigen.

Gemeinsam entwickelte Konzepte

Die Angebote entstehen in enger Kooperation zwischen Fachkräften der Elternbildung und den Teams der jeweiligen Kitas. Die Inhalte werden standortbezogen angepasst, um den Bedürfnissen der Familien vor Ort gerecht zu werden.

Ein entscheidender Vorteil: Die Maßnahmen finden direkt in den Einrichtungen statt. Als vertraute Orte senken sie Hemmschwellen und erleichtern insbesondere Familien mit erschwertem Zugang zu Bildungsangeboten die Teilnahme. Gleichzeitig wächst das gegenseitige Vertrauen und das Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen.

Etablierte Modelle

Besonders erfolgreich zeigen sich der „Kita-Einstieg“ und das Modell „Zusammenspiel“. Der Kita-Einstieg richtet sich an kleine Gruppen von Kindern und ihren Bezugspersonen und ermöglicht an mehreren Tagen pro Woche einen sanften Zugang zum Kita-Alltag. Davon profitieren vor allem Kinder, die sich in größeren Gruppen schnell überfordert fühlen oder noch keinen regulären Kita-Platz nutzen.

Das Konzept wird derzeit weiterentwickelt, um künftig auch Kinder mit Inklusionsbedarf systematisch einzubeziehen. In der Praxis zeigt sich, dass dieser Ansatz den Übergang in die Kita erleichtert und Teilhabe stärkt.

Neue Kita-Sozialarbeit als weiterer Baustein

Ein weiterer Schritt wurde 2024 mit der Einführung einer Kita-Sozialarbeiterstelle im „Haus der Bildung und Begegnung“ umgesetzt.

Ziel war es, insbesondere neu zugewanderte Familien mit Fluchterfahrung beim Ankommen im Stadtteil zu unterstützen und frühkindliche Bildung zu fördern. Nach zwei Jahren wurde das Modell mit positivem Ergebnis evaluiert.

Ergebnisse bestätigen Wirksamkeit

Die Auswertungen zeigen, dass die enge Verzahnung von Elternarbeit, Elternbildung und Kita-Alltag ein wichtiger Baustein für mehr Chancengerechtigkeit ist.

Familien erhalten gezielte Unterstützung bei Alltags- und Antragsfragen, Elternbildungsangebote werden häufiger genutzt und mehr Kinder, darunter viele mit Eingliederungsbedarf – schaffen einen erfolgreichen Übergang in das Bildungssystem.

Ausbau der Angebote geplant

Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher (SPD) betont die Bedeutung der Maßnahmen zur Familienunterstützung: „Angesichts wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen, die sich zunehmend auch im Alltag von Familien widerspiegeln, bleibt es unser klares Ziel, Kindern und Familien frühzeitig Zugänge zu Bildung zu eröffnen, Chancengleichheit zu fördern und nachhaltige Integration in allen Wiesbadener Stadtteilen zu ermöglichen. Deshalb wollen wir die Elternbildungsangebote in Kindertagesstätten gezielt ausbauen.“

Weiter erklärt sie: „Wir werden hierfür entsprechende Mittel im Haushalt anmelden, denn die gleichberechtigte Teilhabe und ein gelingender Einstieg aller Eltern und Kinder in das Bildungssystem sind für uns von zentraler Bedeutung.“

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!