Bildungspolitik
Kritik an Kürzungen: GEW warnt vor Folgen für Gesamtschulen
Die geplanten Einsparungen an integrierten Gesamtschulen sorgen für deutliche Kritik von Gewerkschaften und Jugendorganisationen. Warum die Maßnahmen als Gefahr für Chancengleichheit und individuelle Förderung gesehen werden, erläutert die GEW Wiesbaden-Rheingau jetzt.
Symbolfoto: Canva
Die vorgesehenen Sparmaßnahmen der schwarz roten Landesregierung an integrierten Gesamtschulen stoßen auf deutliche Kritik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Wiesbaden Rheingau.
Aus Sicht der Gewerkschaft trifft die Maßnahme eine Schulform, die in besonderer Weise für Chancengleichheit, individuelle Förderung und Bildungsgerechtigkeit steht.
Vorwürfe der GEW
René Prokop, Vorstandssprecher der GEW Wiesbaden Rheingau, erklärt: „Die integrierte Gesamtschule war Teilen der CDU schon immer ein Dorn im Auge. Die frühe Selektion im dreigliedrigen Schulsystem und der nach wie vor starke Einfluss der sozialen Herkunft sichern dessen Bestand. Die IGS hingegen setzt bewusst auf gemeinsames Lernen und Durchlässigkeit.“
Nach Angaben der Gewerkschaft könnten die Kürzungen je nach Standort den Wegfall von einer oder mehreren Lehrkräften bedeuten. Betroffen wären vor allem Ressourcen, die bisher für individuelle Unterstützung und differenzierte Lernangebote eingesetzt wurden.
Auswirkungen auf die pädagogische Arbeit
Die GEW sieht die Grundidee der integrierten Gesamtschule gefährdet. Manon Tuckfeld betont: „Wenn Lehrer*innenstunden und Fördermittel reduziert werden, trifft das genau die Bereiche, die für Binnendifferenzierung, individuelle Förderung, zusätzliche Lernzeiten und Team Teaching unverzichtbar sind. Damit wird Schüler*innen die Chance genommen, ihr Potenzial voll zu entfalten.“
Die Stärke der Schulform liege darin, unterschiedliche Leistungsniveaus zu integrieren und Bildungswege offen zu halten. Leistungsschwankungen führten nicht automatisch zu Brüchen in der Bildungsbiografie. „Kein Kind sollte aufgrund eines vorübergehenden Leistungseinbruchs dauerhaft benachteiligt werden“, so die GEW.
Politische Reaktionen
Auch außerhalb der Gewerkschaft gibt es Kritik. Die Grünen und die SPD Jugend sprechen von einer falschen Prioritätensetzung und fordern eine Rücknahme der Maßnahmen. Sie betonen, dass gerade Schulformen mit besonderen pädagogischen Anforderungen nicht von Kürzungen betroffen sein sollten.
Die CDU verweist darauf, integrierten Gesamtschulen grundsätzlich nicht ablehnend gegenüberzustehen und betont die Bedeutung von Schulvielfalt und Wahlfreiheit der Eltern. Aus Sicht der GEW widerspricht der aktuelle Beschluss jedoch diesem Anspruch. Chris Hahn vom GEW Vorstand erklärt: „Wer Schulvielfalt ernst nimmt, darf ausgerechnet dort nicht kürzen, wo Integration, individuelle Förderung und soziale Durchlässigkeit gelebt werden.“
Forderung an die Landesregierung
Die GEW Wiesbaden-Rheingau fordert die Landesregierung auf, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen und integrierte Gesamtschulen als wichtigen Bestandteil eines gerechten, auf Chancengleichheit ausgerichteten Bildungssystems zu stärken.
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!

Unter dem Motto "Bildung geht uns alle an“ versammelten sich am Samstag über 200 Ausbildungskräfte, Seminarleitungen, […]

