Kritik

Geduldsprobe in Kastel: Barrierefreier Ausbau des Bahnhofs rückt in weite Ferne

Harte Kritik aus dem Wiesbadener Rathaus: Die Deutsche Bahn verschiebt den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Mainz-Kastel erneut um Jahre. Verkehrsdezernent Andreas Kowol spricht von einem unhaltbaren Zustand für die rund 9.000 täglichen Fahrgäste. Auch bei den Projekten in Igstadt und der Wallauer Spange herrscht Stillstand statt Fortschritt.

Von: |Erschienen am: 10. Februar 2026 13:22|

Archivfoto

Wer am Bahnhof Kastel mit Kinderwagen, Rollstuhl oder schwerem Gepäck unterwegs ist, braucht weiterhin starke Nerven und fremde Hilfe. Wie die Wiesbadener  Stadtverwaltung nun auf massiven Druck hin von der DB InfraGO erfahren hat, wird das zentrale Versprechen, den Bahnhof bis 2026 barrierefrei umzubauen, nicht gehalten. Es ist die nächste Hiobsbotschaft in einer langen Kette von Bahn-Verzögerungen im Wiesbadener Stadtgebiet.

Versprechungen gebrochen – Aufzüge fehlen weiterhin

Eigentlich sollte der zweitwichtigste Bahnknotenpunkt der hessischen Landeshauptstadt bereits im Jahr 2022 barrierefrei sein. Doch außer neuen Blindenleitstreifen und einer sanierten Treppe passierte wenig. Die entscheidenden Aufzüge fehlen bis heute. Die Begründung der Bahn: Fehlende „Sperrpausen“ im Gleisnetz.

„Dass hier nun erneut eine mehrjährige Verzögerung im Raum steht, lässt sich den Bürgerinnen und Bürgern schlichtweg nicht mehr erklären“, kritisiert Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) scharf am Dienstag. Zwar stellt die DB in Aussicht, zumindest den Aufzug am Hausbahnsteig noch 2026 fertigzustellen, doch für den Mittelbahnsteig droht eine Hängepartie bis zum Ende des Jahrzehnts – Experten rechnen nicht vor 2029 mit einer Lösung.

Systematische Probleme bei DB InfraGO – Auch Igstadt und Wallauer Spange betroffen

Der Bahnhof Kastel ist kein Einzelfall. Die Stadt Wiesbaden beklagt eine systematische Unzuverlässigkeit bei der DB-Tochter InfraGO.

Bahnhof Igstadt: Hier blockieren geänderte bahninterne Richtlinien plötzlich die jahrelang gemeinsam geplante östliche Zuwegung zum Bahnsteig. Das Ergebnis: Entweder ein massiver Umweg für die Bürger oder eine erneute Umplanung, die den Bau um weitere drei Jahre verzögern würde.

Wallauer Spange: Auch bei diesem regionalen Schlüsselprojekt für die Schienenanbindung kam es jüngst zu massiven Unstimmigkeiten und Verzögerungen, die das Vertrauen in die Planungssicherheit der Bahn erschüttern.

„Es reicht jetzt“ – Stadt fordert Konsequenzen

Für Andreas Kowol ist das Maß voll. Zwar erkenne man die Komplexität des hochbelasteten Schienennetzes an, doch das interne Chaos bei der Bahn dürfe nicht auf dem Rücken der Pendler ausgetragen werden. „Wir brauchen verlässliche Zeitpläne und eine klare Priorität für die Projekte im Rhein-Main-Gebiet“, fordert der Dezernent.

Besonders bitter, mit rund 9.000 Fahrgästen täglich ist Kastel eine zentrale Drehscheibe zwischen Wiesbaden und Mainz. Die fehlende Barrierefreiheit ist hier nicht nur ein Komfortproblem, sondern ein massives Hindernis für die Mobilitätswende.

Stadt bleibt hartnäckig

Die Wiesbaden kündigte an, den Druck auf die DB InfraGO, den Bund und die Fachbehörden massiv zu erhöhen. Man werde nicht akzeptieren, dass wichtige Infrastrukturprojekte in den Vororten und an den Hauptknotenpunkten dauerhaft im Planungsdickicht der Bahn versinken. Eine verbindliche Perspektive für die betroffenen Pendler und mobilitätseingeschränkten Menschen habe nun oberste Priorität.

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