Stadtentwicklung
Bülowplatz im Wandel: Kesselbach kehrt an die Oberfläche zurück
Im Wiesbadener Westend beginnt ein Projekt, das Geschichte, Stadtgestaltung und Natur neu verknüpft. Ein versteckter Bach tritt wieder ans Tageslicht, ein Platz erhält ein völlig neues Gesicht und die Ideen der Anwohner spielen dabei eine größere Rolle, als man auf den ersten Blick vermutet.
Foto: Paul Müller
Am Bülowplatz im Wiesbadener Westend haben am Montag, 9. Februar, die Arbeiten zur Neugestaltung begonnen. Das Vorhaben ist Teil des städtischen Programms „Bäche ans Licht“, das unterirdisch verlaufende Gewässer wieder sichtbar machen soll.
Symbolischer Spatenstich
Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Christiane Hinninger (Bündnis 90/Die Grünen) eröffnete das Projekt offiziell. „Jetzt beginnt die praktische Neugestaltung dieses kleinen, aber feinen Platzes“, sagte sie auf der Grünfläche zwischen Seerobenstraße, Roonstraße und Bülowstraße.
„Mit der Offenlegung eines Abschnitts des unterirdisch verlaufenden Kesselbachs setzen wir das Projekt ,Bäche ans Licht‘ fort. Wir stellen historische Bezüge her und entfalten zugleich stadtprägende sowie gestalterische Wirkung.“
Voraussetzungen und Hintergrund
Die Grundlage für das Vorhaben wurde bereits vor Jahren geschaffen, als das saubere Wasser von Kesselbach und Wellritzbach von der Mischwasserkanalisation getrennt wurde. Dadurch gelangt kein klares Bachwasser mehr ins Klärwerk.
Der Bülowplatz ist nach dem Sedanplatz und dem Platz der Deutschen Einheit das dritte Teilprojekt, bei dem Wasser wieder an die Oberfläche geholt wird.
Technik ohne Energiebedarf
Wie schon bei den vorherigen Maßnahmen kommt die Offenlegung ohne zusätzlichen Energieeinsatz aus. Umweltamtsleiter Dr. Klaus Friedrich erklärte: „Die Offenlegung des Kesselbachs kommt ohne zusätzlichen Energiebedarf aus, wie schon bei den anderen Bausteinen des Projektes.
Allein durch den hydraulischen Druck des dem natürlichen Gefälle folgenden Wassers wird mittels technisch anspruchsvoller unterirdischer Systeme das Wasser an die Oberfläche geholt.“ Eine Natursteinrinne und eine breitere Stelle mit Wasserwirbeln sollen den Verlauf sichtbar machen.
Mehr Grün für das Westend
Auch die ökologische Aufwertung spielt eine wichtige Rolle. Gabriele Wolter, Leiterin des Grünflächenamtes, betonte:
„Eine hochwertige und dennoch standortangepasste Pflanzenvielfalt wird zur behutsamen Entwicklung der Fläche beitragen.“ Die Maßnahme soll Biodiversität und Mikroklima im dicht bebauten Wiesbadener Stadtteil verbessern.
Beteiligung der Anwohnerschaft
Hinninger hob zudem die Bedeutung der Bürgerbeteiligung hervor. „Das Engagement der Anwohner im Westend bei Vor-Ort-Workshops, bei denen Visionen für den gesamten Bülowplatz entwickelt, diskutiert und weitergeführt wurden, war beeindruckend“, sagte sie.
Wünsche des Ortsbeirats, etwa zu zusätzlichen Sitzgelegenheiten, werden weiterhin geprüft.
Einschränkungen und Zeitplan
Während der Bauphase am Bülowplatz bleibt der Gehweg entlang der Seerobenstraße bis in den Sommer hinein gesperrt. Der Fußgängerüberweg bleibt jedoch erreichbar. Die Fertigstellung der gesamten Maßnahme, einschließlich der Pflanzarbeiten, ist für Herbst 2026 vorgesehen.
Die Kosten der Umgetaltung belaufen sich auf rund 700.000 Euro, wovon knapp die Hälfte aus dem Förderprogramm „Wachstum und nachhaltige Entwicklung“ stammt.
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