Studie

Wohnungsnot in Wiesbaden: Jüngere und Ältere sind die Verlierer

Die Lage auf dem Wiesbadener Wohnungsmarkt spitzt sich weiter zu. Laut dem aktuellen „Sozialen Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts droht vielen Bürgern die „Wohnarmut“. Während Jugendliche keine Ausbildung antreten können, weil WG-Zimmer unbezahlbar sind, blicken über 31.000 Baby-Boomer einer ungewissen Zukunft im Alter entgegen. Die Gewerkschaft IG BAU fordert nun radikale Konsequenzen und einen massiven Ausbau des sozialen Wohnungsbaus.

Von: |Erschienen am: 29. Januar 2026 13:52|

Symbolfoto

Wohnen in der hessischen Landeshauptstadt ist kein Luxusgut, sondern ein Grundrecht – doch für immer mehr Menschen in Wiesbaden wird dieses Recht unbezahlbar. Das zeigt die jüngste Auswertung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Wiesbaden-Limburg. Besonders zwei Gruppen stehen mit dem Rücken zur Wand: Die junge Generation, die ins Berufsleben startet, und die Senioren von morgen.

Wenn die Miete die Ausbildung verhindert

In Wiesbaden gibt es rund 5.210 Auszubildende. Viele von ihnen wohnen noch bei den Eltern – oft unfreiwillig. „Es ist tragisch, wenn ein Ausbildungsvertrag scheitert, weil das Wohnen zu teuer ist“, warnt Karl-Heinz Michel, Bezirksvorsitzender der IG BAU Wiesbaden-Limburg.

Wenn Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe ihres Ausbildungsbetriebs finanzieren können, schade das der gesamten heimischen Wirtschaft. Die Gewerkschaft fordert daher gezielte Unterstützung für den Bau von Azubi-Wohnungen und Steueranreize für Betriebe, die ihren Nachwuchs bei der Unterkunft unterstützen.

Die „Baby-Boomer-Falle“ – Wohnarmut im Alter droht

Noch massiver könnte die Krise in den nächsten Jahren die ältere Generation treffen. In Wiesbaden leben rund 31.400 „Baby-Boomer“, die bis 2035 in Rente gehen werden. Viele von ihnen haben für niedrige Löhne gearbeitet oder Phasen der Arbeitslosigkeit hinter sich.

Die Folge, „sie wohnen sich regelrecht arm“, so Michel. Wenn die Mieten weiter steigen, während die Renten schmal bleiben, werden sich viele Wiesbadener ihre bisherigen Wohnungen schlichtweg nicht mehr leisten können.

11.200 neue Sozialwohnungen – pro Jahr!

Um den Druck vom Kessel zu nehmen, sieht die IG BAU nur einen Weg: Mehr Sozialwohnungen. Nur ein ausreichendes Angebot an günstigem Wohnraum könne die Mieten am Markt stabilisieren oder gar senken.

Der „Soziale Wohn-Monitor“ nennt eine deutliche Zielmarke für Hessen:

  • Verdopplung: Bundesweit von 1 auf 2 Millionen Sozialwohnungen.

  • Hessen-Quote: Bis 2035 werden landesweit 140.700 Sozialwohnungen benötigt.

  • Jährlicher Bedarf: Jedes Jahr müssen in Hessen 11.200 zusätzliche Einheiten entstehen.

Erleichtertes Bauen als Lösung

Um dieses Mammutprojekt zu stemmen, fordert die Gewerkschaft vom Bund und dem Land Hessen eine schnellere Auszahlung von Fördergeldern direkt zu Baubeginn. Zudem müsse kosteneffizienter gebaut werden. Der Standard „Erleichtertes Bauen“ soll es ermöglichen, für das gleiche Geld mehr Wohnraum in guter Qualität zu schaffen.

„Der Neubau von Sozialwohnungen muss zur politischen Herzenssache werden“, fordert Michel abschließend. Ohne eine Trendwende drohe die soziale Schere in Wiesbaden weiter auseinanderzugehen.

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