Stadtverkehr

Mit Frontkameras gegen Falschparker: ESWE zieht Zwischenbilanz

Was passiert, wenn Busse plötzlich mit einem zusätzlichen „Auge“ unterwegs sind? In Wiesbaden hat man es ausprobiert. Die ersten Ergebnisse lassen jetzt aufhorchen. Die Kameras sollen helfen, ein alltägliches Problem in den Griff zu bekommen, das den Nahverkehr immer wieder ausbremst. Wie gut das funktioniert und warum das Projekt bundesweit Beachtung findet, zeigt eine erste Zwischenbilanz.

Von: |Erschienen am: 27. Januar 2026 17:30|

Fotos: ESWE Verkehr

ESWE Verkehr nutzt seit September 2024 in 14 Linienbussen digitale Frontkameras, um Park- und Halteverstöße auf Bus- und Umweltspuren sowie an Haltestellen in Wiesbaden zu dokumentieren.

Nach rund anderthalb Jahren zieht das Unternehmen nun ein deutlich positives Fazit. Die Systeme erfassen zuverlässig Behinderungen des Busverkehrs, und auch intern stoßen sie auf breite Zustimmung: Mehr als 90 Prozent des Fahrpersonals bewerten den Einsatz als hilfreich.

Zufriedenheit in der Geschäftsführung

Marion Hebding, Geschäftsführerin von ESWE Verkehr, betont die Bedeutung der Technik: „Frontkameras haben hat sich als geeignete Mittel etabliert, um gegen auf der Busspur stehende Fahrzeuge vorzugehen. Freie Busspuren helfen unserem Buspersonal und den Fahrgästen gleichzeitig, weil es der Einhaltung des Fahrplans dient.“

Dokumentation nur des ruhenden Verkehrs

Falschparker stellen für den öffentlichen Nahverkehr ein erhebliches Problem dar. „Unsere Busse müssen teilweise Busspuren verlassen und in den fließenden Individualverkehr einfädeln, was nicht nur gefährliche Situationen provozieren kann, sondern Zeit kostet“, erklärt Hebding.

Die Kameras erfassen ausschließlich den ruhenden Verkehr. Eine Videoaufzeichnung des fließenden Verkehrs findet nicht statt, da die Geräte rechtlich zweckgebunden sind und keine Dashcam-Funktion besitzen. Das Fahrpersonal löst die Aufnahme manuell aus, sobald ein Fahrzeug die Weiterfahrt behindert. Die Dokumentation umfasst Kennzeichen, Uhrzeit und GPS-Standort.

Aufwändige Auswertung der Aufnahmen

Nach der Rückkehr der Busse werden die Daten unter strengen Datenschutzauflagen ausgewertet. Unbeteiligte Personen müssen unkenntlich gemacht und jede Aufnahme einzeln geprüft werden. Dieser Prozess ist zeitintensiv: Monatlich entstehen mehrere tausend Fotos.

Erst nach der internen Prüfung werden relevante Fälle an die städtischen Verkehrsbehörden übermittelt, die über mögliche Bußgelder entscheiden. Ein Verstoß auf der Busspur kostet in der Regel 70 Euro, bei Umweltspuren kann zusätzlich ein Punkt in Flensburg hinzukommen.

Rund 200 Meldungen pro Monat

Im Durchschnitt gehen monatlich knapp 200 Meldungen an die Behörden. Besonders häufig werden Verstöße auf stark befahrenen Straßen im Innenstadtbereich registriert, darunter der Kaiser-Friedrich-Ring, die Bahnhofstraße und die Wilhelmstraße.

Bundesweites Interesse an der Technik

Die positiven Erfahrungen von ESWE Verkehr in Wiesbaden bleiben nicht unbeachtet. Zahlreiche Verkehrsunternehmen aus ganz Deutschland interessieren sich inzwischen für ähnliche Frontkamera-Systeme. Auch in Frankfurt läuft bereits ein Testbetrieb, um Falschparker auf den Busspuren zu dokumentieren.

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