Prunksitzung / Fotostrecke

Kurhaus bebt: Ein närrisches Feuerwerk zum DACHO-Jubiläum

Was für eine Show! Die DACHO-Prunksitzung hat am Sonntag das Wiesbadener Kurhaus in ein brodelndes Tollhaus der guten Laune verwandelt. In historischer Kulisse gab es alles, was das närrische Herz begehrt. Von den prächtigen Garden und dem charmanten Kinderprinzenpaar bis hin zu den Pointen des „Deutschen Michel“. Das Tanzcorps aus Köln wirbelte über die Bühne und Sitzungspräsident Andreas Taschler leitete souverän durch ein Programm voller Emotionen und Lacher.

Von: |Erschienen am: 25. Januar 2026 23:44|

Fotos: Joshua Ziß

Ein prachtvolles Meer aus Farben, stehende Ovationen für den „Deutschen Michel“ und eine ganz besondere Auszeichnung für Andreas Taschler: Die DACHO-Prunksitzung im Wiesbadener Kurhaus bot am Wochenende alles, was das Fastnachter-Herz begehrt. In historischer Kulisse feierten Garden, Redner und Narren ein Fest der Jubiläen und der rheinischen Lebensfreude.

Es war ein Einzug mit Paukenschlag, wenn auch leicht verfrüht: Zehn Minuten vor der Zeit marschierten die Garden und Aktiven in den ehrwürdigen Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses ein. Auch wenn sich zu Beginn gefühlt mehr Menschen auf der Bühne als im Saal befanden, füllten sich die Reihen schnell. Die DACHO (Dachorganisation Wiesbadener Karneval) hatte geladen, und die Landeshauptstadt ließ sich nicht zweimal bitten, um einen abwechslungsreichen Abend voller Tradition und Esprit zu erleben.

Ein Abend der Jubiläen – Ehrenplakette für Andreas Taschler

Das Jahr 2026 steht im Zeichen großer Zahlen: Die DACHO feiert stolze 7 x 11 Jahre Fastnachtsumzug. Doch auch auf der Bühne gab es ein persönliches Jubiläum zu würdigen. Andreas Taschler, der die Sitzung gewohnt souverän leitete, steht seit nunmehr elf Jahren als Sitzungspräsident im Dienst der närrischen Sache. Für sein kreatives Engagement bei seinem Verein „Die Fidelen Narren“ und in der DACHO wurde ihm unter großem Applaus die Ehrenplakette verliehen.

Charmant und fehlerfrei präsentierte sich zudem das Kinderprinzenpaar, Prinz Noah und Victoria. Ein besonderes Lob ging in Versform an die Sponsoren – eine Erinnerung daran, dass das Brauchtum ohne die Unterstützung der lokalen Wirtschaft und das Ehrenamt kaum zu stemmen wäre. Auch hoher Besuch aus der Ferne gab sich die Ehre: Das Prinzenpaar aus Gießen, André II. und Sabrina III., feierte kräftig mit.

Politischer Schlagabtausch – Der „Deutsche Michel“ in Hochform

In der Bütt setzte Bernhard Knab als „Deutscher Michel“ den ersten großen Höhepunkt. Bei seinem 21. Auftritt in der DACHO-Bütt nahm er kein Blatt vor den Mund. Pointiert und frei vorgetragen knöpfte er sich die Weltpolitik vor – von Putin und Trump bis hin zu den aktuellen Entwicklungen rund um die AfD. Sein flammendes Plädoyer, dass Politik für das Volk gemacht werden müsse, endete im traditionellen Michel-Rapp und brachte dem Redner die ersten Standing Ovations des Abends ein.

Märchenhafter Glanz und Kölner Tanzkunst

Tänzerisch wurde das Publikum auf eine Reise geschickt. Die Närrische Stadtgarde, ein Zusammenschluss aus sechs Wiesbadener Vereinen, begeisterte mit Präzision. Einen sentimentalen Moment schuf Sängerin Julia Döring, die mit „Im Schatten des Doms“ für Gänsehaut sorgte, bevor sie den Saal mit Schunkelliedern wieder zum Kochen brachte.

Ein wahres Juwel der Wortakrobatik war Peter Kuhn von der „Schwarzen Elf Schweinfurt“. Als Märchenonkel verkleidet, servierte er ein messerscharfes Politmärchen über „Friedrich und seine (Partei-)Freunde“. Passend dazu verzauberte die Gruppe Impressive die Narrenschau mit einer tänzerischen Interpretation von Schneewittchen und den sieben Zwergen auf der Bühne.

Atemberaubende Akrobatik – Besuch der Kölner Schmunzelhasen

Ein besonderes Geschenk zum Jubiläum von Andreas Taschler kam aus der Domstadt am Rhein: Das Tanzcorps der Kölner Schmunzelhasen (Jugendgruppe der Fidelen Sandhasen) lieferte eine atemberaubende Performance ab. Die jungen Talente flogen förmlich über die Bühne und standen der späteren Erwachsenengarde in nichts nach. Mit einem donnernden „Kölle Alaaf“ und „Wiesbaden Helau“ wurde diese Brücke zwischen den Karnevalshochburgen gefeiert.

Abschiede und Promi-Glanz zum Finale

Humorvoll, aber auch mit einem wehmütigen Unterton, präsentierte sich Hansi Greb alias „Hobbes“. Er berichtete gewohnt trocken aus dem Ehealltag, nutzte die Bühne aber auch, um seinen Abschied anzukündigen – ein Signal für den schwierigen Generationenwechsel in der Bütt. Auch Jürgen Wiesmann als „Ernst Lustig“ durfte nicht fehlen und sorgte mit seinen Geschichten rund um „Sören“ für Lachsalven.

Zum krönenden Abschluss verwandelte Mr. Tomm das Kurhaus in eine Showbühne der Stars. Mit seinen Stimmenimitationen zahlreicher Prominenter setzte er den Schlusspunkt unter eine Prunksitzung, die erst nach einer lautstark geforderten Zugabe ihr glanzvolles Ende fand.

Hier geht es zur XXL-Fotostrecke mit 203 Bildern pure Lebensfreude:

Fastnacht 3.0 – Die Herausforderung der Generationen

Es war ein schöner und gelungener Abend für Fastnachtstraditionalisten. Aber die Fastnacht in Wiesbaden tut sich mittlerweile bei manchen Veranstaltungen schwer die Karten zu verkaufen. Während die Vereine in den Vororten oft volle ausverkaufte Säle melden, fehlt mancherorts offensichtlich der Bezug zu den traditionellen Fremdensitzungen. Schade für die zahlreichen Aktiven vor und hinter den Bühnen, die sich mit vollem Einsatz für Ihre Fastnacht engagieren. Aber vielleicht braucht die Tradition einen Twist hin zu den kommenden Generationen, die bis zu 36 Euro für eine Karte im Kurhaus ausgeben sollen. Vor Ort kommen noch Speise- und Getränke von 4 bis über 30 Euro hinzu. Welche Art der Fastnachtskultur würde diesen Zielgruppen jenseits von Herrenwitzen, Humba Tätärä und der Lobpreisung und Ehrung von ihnen vermutlich völlig unbekannten städtischen Promis Spaß, Lust und gute Laune machen?

Die Saalfastnacht der Landeshauptstadt hat offensichtlich den Kontakt zu vielen Wiesbadenerinnen und Wiesbadener verloren, wenn man in Zukunft also nicht ganz unter sich feiern möchte, muss ein Plan für die Fastnacht 3.0 her, denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Man darf in den kommenden Jahren gespannt sein, ob die DACHO-Prunksitzung und andere Vereine den Kommunikationssprung in das Lebens- und Feiergefühl der Generationen Insta, TikTok und Co. schaffen werden.

P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von Wiesbadenaktuell.de und folgen Sie uns auch auf Instagram sowie auf Threads!