Gemeinsame Wege

Bühne trifft Kanzel: Theatergottesdienst in Wiesbaden

Die Martin-Luther-Gemeinde und das Hessische Staatstheater laden am kommenden Wochenende erneut zu einem besonderen Gottesdienst ein, bei dem Kunst und Kirche miteinander ins Gespräch kommen. Inspiriert von Sophokles’ Antigone berichten Ensemblemitglieder von ihren Erfahrungen, während Pfarrer Johannes Merkel nach Verbindungen zu heutigen Fragen sucht. Was diese ungewöhnliche Kooperation so lebendig macht, zeigt sich im gemeinsamen Austausch nach dem Gottesdienst.

Von: |Erschienen am: 12. Januar 2026 07:00|

Fotos: Max Borchardt

Die Evangelische Martin‑Luther‑Gemeinde Wiesbaden lädt am Sonntag, 18. Januar, gemeinsam mit dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden erneut zu einem Theatergottesdienst ein.

Beginn ist um 10:00 Uhr in der Johanneskirche in der Hauberrisserstraße 17. Die Veranstaltung knüpft an eine Reihe inspirierender Kooperationen an, die in den vergangenen Jahren großen Zuspruch fanden.

Theater und Kirche im Dialog

Im Zentrum des Gottesdienstes steht diesmal Sophokles’ „Antigone“, das Ende Oktober unter der Regie von Mikheil Charkviani am Hessischen Staatstheater Premiere feierte.

Der georgische Regisseur, der sich in seiner Heimat politisch gegen die prorussische Regierung engagiert, erkennt in Antigones Widerstand deutliche Parallelen zu heutigen (weiblichen) Oppositionsbewegungen in autoritären Staaten. Während des Gottesdienstes berichten Ensemblemitglieder von ihren persönlichen Eindrücken aus der Arbeit am Stück und präsentieren ausgewählte Szenen.

 Resonanzen zwischen Bühne und Kanzel

Pfarrer Johannes Merkel gestaltet den Gottesdienst musikalisch und liturgisch und greift in seiner Predigt Themen aus der Inszenierung auf.

Bereits frühere Theatergottesdienste, etwa zu „Unser Erbe: Tax me if you can“ oder zur „Schöpfung“, wurden von Gemeinde und Theater als besonders bereichernd wahrgenommen.

Fortsetzung eines erfolgreichen Formats

Nach den positiven Erfahrungen im vergangenen Jahr waren sich sowohl das Staatstheater als auch die Martin‑Luther‑Gemeinde einig, das gemeinsame Projekt fortzuführen. Pfarrer, Ensemblemitglieder und Besucher schätzen den Austausch, der neue Perspektiven auf Glauben, Kunst und gesellschaftliche Fragen eröffnet.

Wie gewohnt gibt es im Anschluss an den Gottesdienst Gelegenheit zum Gespräch: Beim Kirchenkaffee im Foyer können Eindrücke und Gedanken miteinander geteilt werden.

Stimmen aus Gemeinde und Theater

Pfarrer Johannes Merkel erklärt: „Mich freut es sehr, erneut ein Theaterstück in den Mittelpunkt eines Gottesdienstes zu stellen! Bei der Inszenierung musste ich sofort an Martin Luther denken und es wird spannend sein zu schauen, wie uns Stück und Aufführung im Lichte unserer Tradition und der aktuellen Herausforderungen inspirieren können.“

Cosma Hahne vom Hessischen Staatstheater ergänzt: „Bei den Theatergottesdiensten haben wir die tolle Möglichkeit mit unterschiedlichen Menschen aus Wiesbaden ins Gespräch zu kommen und unsere Stückinhalte auf eine besondere Art und Weise zu vermitteln.“

Antigone am Staatstheater Wiesbaden

Die Tragödie erzählt vom Konflikt zwischen den Brüdern Polyneikes und Eteokles, der Theben spaltet. König Kreon verweigert Polyneikes die Bestattung, woraufhin Antigone das Gesetz bricht, um ihrem Bruder die letzte Ehre zu erweisen.
Der Streit um Macht, Moral und Loyalität erschüttert nicht nur das Schlachtfeld, sondern auch die Grundfesten einer patriarchalen Ordnung. Antigones Widerstand, der mit dem Tod geahndet werden soll, bringt das autoritäre System ins Wanken.

Regisseur Mikheil Charkviani stellt mit seiner ersten Inszenierung in Wiesbaden die Frage in den Raum, wie weit eine demokratische Gesellschaft bereit ist, ihre moralischen Werte zu verteidigen.

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