Lokale Initiative

Fünf Jahre Bücherglück: Dotzheim feiert seinen Tauschschrank

Was als spontane Idee in einer besonderen Zeit begann, ist heute ein lebendiger Treffpunkt für Lesefreude, Austausch und kleine Alltagsgeschichten. Zum fünften Geburtstag des Bücherschranks im Wiesbadener Stadtteil Dotzheim blicken die Beteiligten zurück und erzählen, warum dieser Ort weit mehr ist als nur ein Regal voller Bücher.

Von: |Erschienen am: 6. Januar 2026 11:16|

Symbolfoto

Schon vor 2020 standen in Dotzheim immer wieder Kisten voller Bücher am Straßenrand. Die wachsende Zahl dieser spontanen Tauschstellen machte deutlich, dass es Zeit war, die schon länger bestehende Idee eines festen Bücherschranks umzusetzen.

Neben dem vom damaligen Ortsvorsteher Harald Kuntze angestoßenen Ortsbeiratsbeschluss und der Zustimmung der Stadt brauchte es jedoch vor allem engagierte Menschen, die sich um Ordnung und Pflege eines solchen Angebots kümmern würden.

Standortsuche in der Corona-Zeit

Nach dem offiziellen Beschluss begann die Suche nach einem geeigneten Platz. Ein zunächst ins Auge gefasster Standort auf dem Fundament einer ehemaligen Telefonzelle schied rasch aus. Das Grundstück gehörte zwei verschiedenen städtischen Ämtern, und eine schnelle Umsetzung war in der beginnenden Corona-Zeit besonders wichtig.

Ein Team entsteht

Vier Personen bildeten schließlich das erste Patenteam: Frau Nessel von der Gemeindebibliothek der evangelischen Kirchengemeinde, Herr Heisig, Frau Solem sowie Grundschuldirektorin Kerstin Frey. In mehreren Treffen, oft bei Kaffee und Kuchen, wurden Abläufe abgestimmt, Ideen gesammelt und die gemeinsame Verantwortung vorbereitet.

Der Museumsplatz wird zum Standort

Schließlich fiel die Entscheidung auf den Museumsplatz in der Römergasse. Die Firma Huhle übernahm den Bau des Schranks, der am 3. Dezember 2020 offiziell eingeweiht wurde.

Nicht nur Literatur landete im Schrank, wie Kerstin Frey berichtet: „auch ein Beutel mit aufgebackenen Laugenbrezeln und CDs fanden ihren Weg in den Bücherschrank.“ Ansonsten wechseln dort vor allem Romane, Comics, Ratgeber und Bildbände regelmäßig die Besitzer.

Eine ungewöhnliche Beschwerde

Kurz nach der Eröffnung erreichte Ortsvorsteher Harald Kuntze eine Beschwerde: „ein Bürger beschwerte sich, dass er mit dem ganzen Kofferraum voll zum Bücherschrank gekommen“ sei und keinen Platz für all seine Bücher gefunden habe.

Schnell wurde klar, dass der Schrank als Tauschschrank gedacht ist: „Bücher zum Lesen holen und welche wieder einstellen, die man selbst nicht mehr braucht“. Ein Prinzip, das Nachhaltigkeit fördert und bis heute vom Patenteam begleitet wird.

Ein stabiles Ehrenamt

Im Laufe der Zeit gab es Veränderungen im Team: Frau Solem schied aus privaten Gründen aus, während im vergangenen Sommer Frau Scholz und Frau Siebert dazukamen. Heute betreut ein fünfköpfiges Team den Schrank. Jede Person übernimmt im Fünf-Wochen-Rhythmus eine Woche lang die Aufsicht.

Feier zum fünfjährigen Jubiläum

Zum Jubiläum sind alle eingeladen, die den Bücherschrank nutzen oder ihn kennenlernen möchten: Am Dienstag, 13. Januar, um 17:00 Uhr am Dotzheimer Bücherschrank in der Römergasse, Museumsplatz beim Alten Rathaus. Auch der ehemalige Ortsvorsteher Harald Kuntze und sein Nachfolger Ulrich Schwalbach werden anwesend sein.

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