Modernisierung

Wiesbaden investiert Millionen in historische Bachkanäle

Die Stadt Wiesbaden stellt signifikate Mittel für die Sanierung ihrer historischen Bachkanäle bereit. Unter zentralen Straßen wie der Wilhelmstraße und der Friedrich-Ebert-Allee sollen Schäden behoben und die Sicherheit langfristig gewährleistet werden. Erste Bauabschnitte sind bereits geplant. Die Arbeiten werden sich über mehrere Jahre erstrecken.

Von: |Erschienen am: 28. November 2025 17:25|

Foto: Stadtarchiv Wiesbaden

Die unter der Wilhelmstraße und der Friedrich-Ebert-Allee verlaufenden Bachkanäle sind in die Jahre gekommen und müssen in mehreren Abschnitten erneuert werden.

Der Magistrat hat am Dienstag, 25. November, rund sechs Millionen Euro für die notwendigen Bauarbeiten bewilligt.

Sicherheit hat oberste Priorität

„Der Beginn der Arbeiten duldet keinen Aufschub, um die Sicherheit auch künftig zu gewährleisten, weitere Schäden an der Bausubstanz abzuwenden und für eine sichere Ableitung des Bach- und des Regenwassers zu sorgen, insbesondere bei Starkregenereignissen“, erklärte Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Bündnis 90/Die Grünen).

Schäden im Untergrund sichtbar gemacht

Untersuchungen mit selbstfahrenden Robotern haben deutliche Mängel an den im 19. und frühen 20. Jahrhundert errichteten Kanälen aufgezeigt. Dazu zählen Risse, beschädigte Anschlüsse, Ausbrüche, Fehlstellen und freiliegende Bewehrung.

Experten stellten fest, dass aktuell keine akute Gefahr für die Standsicherheit besteht, Hohlräume und Hinterspülungen jedoch nicht ausgeschlossen werden können. Einige Schäden müssen sofort behoben werden, andere können mittelfristig saniert werden.

Einschränkungen am Warmen Damm

Im Bereich „Am Warmen Damm“ wurde der Weg zwischen Wilhelmstraße und Parkfläche vorsorglich nur noch für Fußgänger und Radfahrer freigegeben. Eine Absperrung ist eingerichtet, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Geplante Bauabschnitte Rambach- und Salzbachkanal

Der erste Bauabschnitt betrifft rund 200 Meter des Rambachkanals vom Kurpark bis zur Wilhelmstraße hinter dem Staatstheater. Die Kosten werden auf etwa 950.000 Euro geschätzt.

Ein weiterer Abschnitt umfasst den rund 1.600 Meter langen Salzbachkanal zwischen Wilhelmstraße, Friedrich-Ebert-Allee und Bahnhofsplatz. Hier belaufen sich die Kosten auf etwa 1,6 Millionen Euro. Beide Maßnahmen sollen gemeinsam umgesetzt werden und sind für 2026 vorgesehen.

Komplexe Sanierung

Unter dem Warmen Damm verläuft ein weiterer, rund 100 Meter langer Kanalabschnitt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen ist die Planung noch nicht abgeschlossen.

Erste Schätzungen gehen von rund 4,5 Millionen Euro aus. Insgesamt sollen die Arbeiten bis 2029 abgeschlossen sein.

Historischer Hintergrund: Schutz vor Cholera

Bis ins späte 19. Jahrhundert wurde Abwasser in offene Bäche geleitet. Mit dem rasanten Wachstum Wiesbadens stieg die Belastung, es kam zu Gestank, Verschmutzung und Cholera-Epidemien.

Der Salzbach wurde damals als „cloaca maxima“ bezeichnet. 1902 ordnete die Obrigkeit in Berlin die Kanalisierung an, um die Ausbreitung lebensbedrohlicher Krankheiten einzudämmen.

Bachsystem Wiesbaden

Heute durchziehen 240 Kilometer Bäche die Landeshauptstadt, davon rund 13 Kilometer unterirdisch in Betonrohren oder Gewölben. Viele dieser Bauwerke sind über hundert Jahre alt.

Fachleute zeigen sich überrascht, dass die historischen Kanäle trotz Millionen Kubikmeter Wasser und den Belastungen zweier Weltkriege so lange standgehalten haben.

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